Der Alexander könnts net gwesen sein, oder?

Allseitig vom 05.04.2018

Heut bin ich ein wenig hintnach, entschuldigens bittschön, aber Sie kennen mich ja, immer im Hintertreffen, ich meld mich zrück aus den Osterfeiertagen, die Quartalsabrechnung steht an, machen wirs halt kurz, Momenterl, ich muss einmal nachschaun, ah ja, wir nehmen die letzten paar Monat vom vergangenen Jahr gleich noch mit hinein, da war eh nix los, also, nachdem wir einmal ein paar Wochen lang ghört ham, oder warens Monat, aber was, ghupft wie ghatscht, gehört hamma, wie gut dass sich alle verstehn im blautürkischen – HOPPSTAD – im blautürkisen Bad – SAPPERLOT – Bund fürs Leben, und wie lieb dass sich alle ham, und wie gut dass alle zrechtkommen, da san dann glei nach Weihnachten ein paar Freudenschüsse kommen, pünktlich, das mag ich, leider waren da ein paar Rohrkrepierer und Blindgänger dabei – SAKRA – auf den Schützenverein is auch kein Verlass mehr; aber das kann schon amal passiern. Alarmierend? Sie haben das, wie? Sie haben das alarmierend empfunden? Was? Gfunden. Ja, ja, sicher, es war ja von 1000 Verordnungen das Sagen, mei, wie das schon originell klingt und wie sinnlich, findens nicht auch? 1000 Verordnungen, von oben, na, da müssen schon ein paar Böller abgehn, das ghört sich so, sonst merkt ja niemand auf und horcht, was da wohl noch alles kommen könnt, dann wars aber eh wieder ein Bisserl ruhiger, da da anscheinend langsam Eintracht einkehrt is, dass es da ein Fingerspitzengefühl braucht im Jagergschäft, da is es am Anfang halt einmal zum Einarbeiten und zum Üben, einmal zum Einstellen an der Büchsen, Schrauberln zum Drehn, sonst wär ja auch gleich das kapitale Großwild verschreckt, und sowas kömma ja gar nicht brauchen, das weist uns ja schließlich, wos hingeht, in echt, und zum Einstelln brauchts halt a Gfühl und das richtige Werkzeug, sonst ist das feine Gwind gleich ruiniert, wo war ich denn? Ah, ja, nach dem Begrüßungsbusserlgeben, mei, das war wirklich lieb und ganz unschuldig, bis nach Brüssel warens auf einmal alle so lieb und ham sich so gut verstanden, wenn da keine Liebe mit im Spiel is, es sind ja alle wirklich schon ganz verzaubert, ich glaub, die freun sich schon auf unsern Rat, ja, und dann? Ah ja, dann is es gleich weitergangen, da samma dann auch noch alle ganz nett und freundlich begrüßt worn, und alle ham sich einzeln vorgstellt und gfreut, dass sie da sind, so lieb und so artig, dass da auf einmal schon die halbe Zeit herum war, haha, so schnell kanns gehn, naja, so viel Zeit muss schon sein, und jetzt hörn wir ja eh schon, dass sie schon auch richtig wolln, dass sie was vorham, dass was in Planung is, dies und das und jenes, eine ganze Menge, lauter wichtige Sachen, mei, da kommt mir jetzt grad was in den Sinn, dazumals in diesen Liebesfilmen, den richtig schönen, alten, wo sich die am Anfang ansehn, und dann weiß jeder sofort: die mögen sich und dann reden die und sehn sich tief in die Augen, und dann schlagens die Augen nieder, und das ist wirklich ganz lieb zum Anschaun, und dann gehns spazieren, und dann redens weiter, und dann sehn sie sich wieder an und schmachten auch ein Bisserl und seufzen, so schön ist der Mond, und dazwischen wird auch gsessn bei einem gemütlichen Wirten, vielleicht am Wolfgangsee oder am Mondsee oder am Attersee, und dann is das schon so gut wie fix: da wird was Ernstes draus, und dann trinken die auch was, nur ein ganz kleines Schluckerl, nein, nein, halt, stop, so viel vertrag ich nicht, da werd ich dann immer ganz damisch, hihi, lacht wer, und vielleicht kommt dann noch der Peter zur Tür herein, Sie wissen schon, der eigentlich schon weg war, der Sänger. Was? Sie kennen den Peter net? Jetzt hörns aber auf, also der kommt an den Tisch und schmettert was Flottes aus voller Brust, oder er sitzt sich an den andern Tisch zu einer und schaut ganz schüchtern, ganz ernst schaut er drein, denn er hat ja Sorgen, und er will die Seinige nicht verschrecken, und dann ist ein Filmschnitt, und dann machen die eine lustige Bootsfahrt, und das Wasser is so schön blau und so schön blaugrün, und dann werden die immer ausgelassener und dann, PLUMPS, fallen die ins Wasser, haha, hihi, hahahaha, wie ungschickt von mir, sagt wer und wer anderer flucht, aber nicht im Ernst, und dann sehn sie sich wieder an, ganz verliebt und patschnass sehn sie sich in die Augen, und dann sagen sie gar nix, und Sie holen sich inzwischen eine Jausn, und wenn Sie zrückkommen sind, da sind die auf der Alm und trinken Buttermilch und lachen, weil sie so einen lustigen Milchbart ham, und dann schäkern sie wieder und reden, und so geht das weiter und immer weiter und immerfort, und Sie denken sich: WANN PUDERN DIE ENDLICH AMAL? Nein natürlich nicht, das war jetzt nur zum Spaß, das is ja nicht Ihr erster Liebesfilm, den Sie anschaun, Sie wissen das ja sicher: Gesportelt werd dann immer erst nach dem Ende vom Film, das is dann einfach in Ihrer Fantasie, wie das wohl weiter gangen wär für die zwei, ah ja, noch einmal zrück zu den ersten 100 Tagen, wie das jetz bei uns heißt. Ja, was wollns denn? Is eh noch nicht groß was passiert, oder? Aber es is nebenbei auch noch ganz was Dolles in Planung, nein kein Putzerl, wo denkens denn hin, so schnell geht das auch wieder net, zuerst einmal wird da drüber getüftelt und das nennt sich jetz evidenzbasierte Politik, ehrlich wahr, und das hat auch schon ganz einen schneidigen Namen: Think Austria, ja, sicherlich, das hab ich aus der vorgestrigen Zeitung; und gehen tut das mit, ich schreib das jetz amal auf, mit Benchmarking und Best-Practice-Analysen und mit Impact-Assessments – BUMMSTINAZL – da kummt Bench drin vor, das heißt soviel wie Bank auf Deutsch oder Beng, oder Bankerl und Impact – OHA – jetzt schlägts aber 13, des klingt jetz aber schon gar ein wenig ördinär, fast ein Bissl verrucht und Analyse, die werden doch net doch schon, was gibts denn da zum Analysiern – JESSAS – die werden doch keinen, so einen Teststreifen machen, so einen mit rot und blau, ja – KRUZITÜRKEN – das geht aber schnell bei denen, da ham wir wohl das Beste versäumt, was? Hehehe. Was? Hehehe, da hat schon wer einzipft! Hehe, hehe, ah so, das ist ja ein jugendfreier Film, bin schon wieder stad, ah, tschuldigen, ich verplauder mich scho wieder, die Quartalsabrechnung, Moment, ich hol schnell mein Block, also unterm Strich steht bei mir 0, ja, jetzt bin ich doch ein Bissl schmähstad, na, das müssen Sie entscheiden, ob Sie sich das die ganzen vier Jahr lang antun wollen, ich wär ja schon recht gspannt: Think, Austria! Das is ein wengl schwierig zum Aussprechen, bei mir klingt das immer wie sink – HEILIGEJUNGFRAUMARIAMUTTERGOTTES! OJEOJEOJE – haha, nein, ich mach doch nur einen Spaß, bis zum Sommer lassen sich die wahrscheinlich eh wieder scheiden, glaubens mir, das is halt so bei den Jungen, nix hat Bestand, machen Sie sich nix draus. Das is jetz aber traurig, meinens? Ja schon, gell? Aber werdens sehen, die finden sich sicher schnell wieder wen, da bleibt bestimmt niemand über.

AG…

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Bildquelle: Wikipedia, Peter Alexander, Wachsfigur in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett by Dguendel Creative Commons Attribution License CC BY 3.0 und Attersee und Höllengebirge, Oberösterreich by Austronaut Creative Commons Attribution License CC BY 3.0. Remixed by MxO

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Autor: Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)