Die schnelle Küche: Chips

Flashback kitchen vom 13.04.2018

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Enthält: Kartoffeln, Sonnenblumenöl, Speisesalz und in geringen Spuren natürlich eine ganze Reihe Chemikalien, vor allem im Gemüse, von denen ohnehin kein Schwein weiß, was das alles sein soll und womöglich anrichtet. Ich verlass‘ mich da einfach auf die strengen Lebensmittelnormen innerhalb der EU.

Zutaten:

1 Packung Kartoffelchips

Zubereitung:

Sackerl aufreißen und Chips futtern

Alternative Zubereitung (für genießerisch und praktisch Veranlagte):

Schneiden Sie die Packung mit einer Schere auf (dann reißt das Material nicht so leicht ein), geben Sie den Inhalt in eine Schüssel und verwenden Sie die Verpackung als Mistsackl, bon appétit!

Getränkevorschlag:

Wasser

AG…

Tja, seit die EU­ die überaus ambitionierte Plastiksackerlverordnung verabschiedet hat, manche würden dazu wohl eher Augenauswischerei sagen (wenn Sie hier verständlicherweise widersprechen, dann nehmen Sie doch mal Ihren Wochenendeinkauf aus Ihrer schicken, umweltbewussten Stoff-Einkaufstasche und vergleichen Sie Gewicht und Volumen aller Einzelverpackungen aus schönem dicken Kunststoff, Styropor, Glas, Karton, Weißblech, Aluminium, Wachs, Verbund- und Klebstoffen etc. mit einem handelsüblichen Plastiksackerl und sagen mir dann nochmals, dass die angesprochene EU-Verordnung mehr ist als ein Schas im Wald), wird es immer schwieriger an gratis Müllsäcke zu kommen. Und Einkaufssackerl sind ohnehin schon seit längerem sündteuer. Ach, Sie kaufen diese tollen, praktischen dünnwandigen Müllsäckchen, die in der Rolle erhältlich sind. Sie bezahlen also für etwas, dessen einziger Zweck darin besteht im Müll zu landen? Ehrlich?

Sie kaufen also gerne Müll. Hm, interessant…

Wie auch immer, das heutige Rezept ist für diese, wie soll ich sagen, gewissen Tage gedacht. Sie kennen das sicher – eigentlich haben Sie sich nicht wirklich viel bewegt, ergo wenig Energie verbraucht. Der Tag ist schon weit fortgeschritten und Sie wollen auch gar nicht mehr damit anfangen, Energie zu verbrauchen mein‘ ich, zu kochen zum Beispiel. Nicht, dass Sie den ganzen Tag nichts getan hätten, aber Sie sind auch nicht wirklich hungrig, vielleicht war Ihre Beschäftigung eher geistiger Natur oder Sie hatten einfach frei und auch keine Lust auf Sport.

Was also spricht gegen ein Sackerl der guten alten Chips? Nun, da gäbe es vermutlich verschiedene gesundheitliche, ernährungswissenschaftliche Einwände. Das Knabberzeug wird doch stets aus den billigsten Zutaten mit dem miesestem Fett hergestellt und obendrein wird das Ganze auch noch mit dem gefürchteten Glutamat versetzt! Das Zeug kann doch keine Sau fressen! Da wird man/frau/kind doch krank! Hier kann ich vielleicht die erste Entwarnung aussprechen. Selbst bei vielen No-Name-Discounter-Chips wird mittlerweile nichts anderes mehr verwendet als Erdäpfel, Sonnenblumenöl und stinknormales Salz. Achten Sie einfach auf die richtige Sorte und die Verpackungshinweise, Sie brauchen dazu nicht einmal das Kleingedruckte zu lesen. Und wegen des Bisschens Fett würde ich mir auch keine Sorgen machen. Ihr Körper braucht Fett, sonst sterben Sie, und die Kartoffeln selbst enthalten schließlich verdammt wenig davon (genauer: 0,1 Prozent), die fertigen Chips im schlimmsten Fall 35 Prozent. Aber oh, die bösen Kohlehydrate! Naja, 50 Gramm auf 100 Gramm Kartoffeln gerechnet ist jetzt auch nicht gerade der Schocker. Wir sprechen von Kohlehydraten (hauptsächlich in Form von Stärke), nicht von Zucker. Dafür enthalten Kartoffeln den höchsten Anteil von verwertbarem (und noch dazu äußerst hochwertigem) Eiweiß aller pflanzlichen Eiweißlieferanten, bei gerade einmal 2 Prozent Eiweißanteil, schräg oder? Dazu kommen dann noch eine ganze Reihe Mineralien wie Kalium, Phosphor, Magnesium, Calcium, Natrium, Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Selen und fast ebensoviele Vitamine, aber die zähl‘ ich jetzt nicht alle auf (außerdem geht vermutlich ohnehin das meiste davon beim Frittieren flöten). Ein wenig Vorsicht ist lediglich bei grünen Stellen geboten – die sind auch nach dem Erhitzen toxisch, aber das wissen Sie bestimmt, nicht wahr?

FETT und KOHLEHYDRATE, geil! 1325 Kilokalorien in 250 Gramm Kartoffelchips für 1 €! Deswegen reicht es mir nach einer Packung (die übrigens auch den Tagesbedarf an Salz deckt) dann immer, wogegen es mich beim Mc Donalds eigenartigerweise nach eh schon einem Doppel-Hamburger mit großen Pommes immer nach noch einer Portion verlangt. Was also sollte noch dagegen sprechen ab und zu Chips zu futtern?

Ah, die Herstellung! Hier wird es interessant. Tatsächlich kommt es durch das Frittieren der Kartoffelscheiben bei hohen Temperaturen verstärkt zur sogenannten Maillard-Reaktion. Klingt kompliziert, ist noch komplizierter (die Details dazu finden Sie in der Wikipedia, die sind dann noch länger als dieser Beitrag). Kurz auf den Punkt gebracht ist dabei vor allem beachtenswert, dass Acrylamid gebildet wird. Hier scheiden sich dann aber auch schon wieder die Geister. Einerseits wird dieser Substanz aus der Gruppe der Amide nachgesagt die DNA zu verändern und krebserregend zu sein (diese Erkenntnisse stammen aus Tierversuchen mit hohen Dosierungen), andererseits fand laut der Wiki eine Studie von 2003 kein erhöhtes Krebsrisiko, das Darmkrebsrisiko nahm mit zunehmenden Acrylamidgehalten in der Nahrung sogar ab‘. Entscheidend scheint hier der Acrylamidspiegel im Blut zu sein, und der ist, so wie es aussieht, auch bei notorischen Pommes- und Chipsessern gering und aus wissenschaftlicher Sicht nicht signifikant‘. Seltsam. Anzumerken wäre jedenfalls, dass seit 2002 der Acrylamidgehalt von Kartoffelchips in Deutschland um ca. 50 Prozent gesenkt wurde. Überdies erlauben neue industrielle Herstellungsverfahren mit Vakuumfritteusen das Frittieren bei niedrigen Temperaturen und eine Fettreduktion durch die Ausnützung der Zentrifugalkraft (dann sind es nur mehr zwischen 17 und 22 Prozent Fett. Hm, weiß nicht recht, glaub‘, da bleib‘ ich lieber bei den ungeschleuderten). Schaut also nicht so schlecht aus für die Kartoffelchips der Zukunft. Mir ist das ohnehin wurscht, sterben müssen wir schließlich alle – dann schon lieber mit Chips im Magen, oder?

Erfunden wurde das Gericht übrigens am 24. August 1853 von George Crum, einem US-amerikanischen Koch. Vermutlich. Ein Gast hatte sich wohl über zu dicke Bratkartoffeln beschwert. Mir wäre es umgekehrt lieber. Für einen Euro bekommen Sie im günstigsten Fall 250 Gramm Kartoffelchips, um dieselbe Kohle kriegen Sie selbst von etwas hochpreisigeren Erdapfelsorten ein ganzes Kilo. Die müssten Sie dann allerdings selbst schälen, schneiden und braten. Dafür geht dann Strom drauf. Und Zeit. Und Fett. Und beim Braten entsteht Acrylamid (oder messen Sie in Ihrer Pfanne etwa die Temperatur?).

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Autor: Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)