Happy Birthday, Kleines… & Good Bye! Teil 2

Allseitig vom 30.04.2018 / → Teil 1

Was für eine miese Woche, total zum Sch… zum Schmeißen! Und ich hatte mir das so schön ausgemalt. Sie als geschichtsinteressierte Leser*innen wissen ja bereits, von wem das Kinderfoto stammt, und ich als fremden Kulturen Aufgeschlossener dachte mir, das wird ganz simpel. Ich kralle mir ein Bic-Feuerzeug und fackel dat Ding einfach ab. Dann warte ich, bis das Konterfei sich in kleine Aschefitzelchen verzehrt und die entschweben dann sanft gen Himmel. Auf dass die gequälte Seele, die darin eingefangen ist, in die ewigen Jagdgründe sich schleichen kann.

Ich habe dann aber doch sicherheitshalber meinen guatemaltekischen House-Buddy aus Long Island zu Rate gezogen. Der hat mich nur ausgelacht! Animismus? Das kann ich vergessen, hat der gemeint. Seit alle ein Smartphone mit 10-Megapixel-Dual-Kamera haben, interessiert das überhaupt niemanden mehr. Nicht einmal mehr den ärgsten tungusischen Hardcore-Schamanen. Da solle ich es doch lieber mit Zeitreisen versuchen und das Balg einfach abkrageln.

Puh, da stand ich also. Bleibt nur mehr der Zeilinger, dacht‘ ich mir. Der war dann auch gar nicht so schwer zu erwischen, wie ich befürchtet hatte. Über die Uni Wien kriegt man das schon raus, wie man den beim Wirten abpasst. Und was bekomm‘ ich dann vom Herrn Professor zu hören? Er habe doch an der Quantenteleportation geforscht, das sei schließlich ein anderes Paar Schuhe, lacht mich der aus, außerdem solle ich das nicht so wörtlich nehmen und überhaupt: Zeitreisen – har, har – wenn schon, dann sei doch jetzt Quantenkryptografie der heiße Scheiß. Ich möge doch erst einmal einen Grundkurs in Physik an der Volkshochschule ins Auge fassen, macht sich der über mich lustig und erzählt mir irgendwas von maximal verschränkten Zuständen, und dann kritzelt der wie an’tschechert irgendwelche unverständlichen Vektoren auf die mit Erdäpfelkas versaute Papierserviette.

Ich war echt verzweifelt und auch ein Bisschen ungehalten, ging es doch um ein so hehres Ziel wie die Errettung der Welt vor dem Erzübel, da könnte man doch von einem Nobelpreisträger erwarten, dass der sich ein Bisschen mehr Mühe gibt, als bloß auf einen Mega-Vertrag mit irgendsoeinem Telekom-Riesen zu spekulieren um beknackte E-Mails zu verschlüsseln. Schließlich würde ich mich doch höchstpersönlich und todesmutig zur Verfügung stellen für diese äußerst fragwürdigen Experimente Einsteinscher nichtlokaler spukhafter Fernwirkung – wie das schon klingt – und überhaupt sei er bei allem Respekt für seine Leistungen ein Dampfplauderer, was mir wiederum eine spontane Getränkedusche von professoraler Seite einbrachte. Schade um den guten Most (und mein bestes Hemd). Tja, sieht so aus, als müsste ich Sie heute enttäuschen.

Ach, und ich hatte mir das schon so nett vorgestellt. Den Kindsmord hätt’s dazu nicht einmal gebraucht, ich hätte einfach wie der Marty McFly mit dem DeLorean ein Sprüngerl ins Braunau von 1890 gemacht, das Binkerl g’schnappt, schnell zurück in etwas lichtere Zeiten (vielleicht nicht gerade 2018), gleich einmal ein g’scheites Aptamil-Flascherl hergerichtet, dann wär‘ das schon gegangen. Einfach ordentlich mit Hipp-Gläsern und Kipferln aufpäppeln den kleinen Scheitelträger und viele bunte Pixie-Bücheln vorlesen und, wenn er alt genug ist, mit ausreichend Bravo- und Pornoheftln versorgen, und später dann ab mit ihm auf die Kunstuni. Gar so übel waren doch seine Postkarten auch wieder nicht, und jetzt gibt es doch schließlich Photoshop und Improtheater und Facebook und Heidi Klum und Pornhub und Veggie-Burger und all so was, da wäre er schon auf andere Gedanken gekommen, der kleine Scheißer… hoppala, mir scheint, das entwickelt sich schon wieder in die verkehrte Richtung.

Sei’s drum, immerhin tröstlich ist, dass das wahrscheinlich sowieso alles nichts gebracht hätte. Um 1900 herum gab es vermutlich so viele dissoziativ gestörte, hysterische, zönästhetische, bazillophobe, koprophile (was alles nicht bewiesen ist, bitteschön), narzisstische, megalomane, paranoide (davon können wir doch eher ausgehen), xenophobe, antisemitische (das müssen wir wohl als gesichert erachten) Opfer (oder sagen wir: Prügelknaben) wie den Schicklgruaba-Buam, da hätten die wohl auch einen anderen schreierten Dolm aufgetan. Gab ja eh mehr als genug davon, die’s zu was gebracht haben, sind ja auch noch immer nicht ganz ausgestorben.

Ja mei… ich könnte da posthum, hab ich gedacht, was drehen und wenden, jetzt steh‘ ich da vor Ihnen, werte Leserschaft, mit leeren Händen. Da kann ich nur mehr um Nachsicht bitten und Ihnen demütig ein kleines Video kredenzen, es gibt ja schließlich auch Youtube (und ich weiß jetzt endlich, wofür das gut ist).

AG…

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Autor: Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)