Der übliche Schwachsinn · das Grundversorgungslogbuch · Teil 3

Sommer Spezial vom 01.08.2018 / → Teil 1, → Teil 2

Und weiter geht’s mit unserer Sommerstory. Ich hoffe, die werte Leserschaft verzeiht die kleine Verzögerung, die Westcoast-Posse hat uns ein wenig aufgehalten (was wir nebenbei bemerkt sehr gerne über uns ergehen haben lassen).

Am besten steigen wir gleich in Echtzeit ein und beginnen einfach mit dem letzten Kapitel. Zum heutigen Datum nämlich ist für unsere antragstellende Person der letztmögliche Zeitpunkt für den Einspruch in ihrem Verfahren, um es einmal so zu bezeichnen, ein Termin, den sie ohne mit der Wimper zu zucken verstreichen lässt. Wir haben da ja durchaus in mephistophelischer Weise versucht auf sie einzuwirken, sie zu überreden, doch die kleine Bescheidbeschwerde einzubringen. Das hätte uns sicher ein händereibendes Vergnügen bereitet.

Doch sie will nicht. Hat keine Lust. Sie befindet sich gewissermaßen wieder im fröhlichen Prekariat und sieht keinen rechten Sinn mehr darin, bürokratische Gratisarbeit zu verrichten, den Hobbyjuristen für schlampige Behörden zu spielen. Der Outcome solcher Bemühung sei – wenn überhaupt gegeben – ohnedies dermaßen mickrig, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis stehe. Nun, gut. Wir respektieren ihre Haltung in dieser Sache selbstverständlich.

Ach ja, ich bin Ihnen doch tatsächlich schuldig geblieben zu verraten, um welchen Antrag es sich denn überhaupt handelt. Es geht um die österreichische Variante von Hartz 4 – Hartz 5.0, könnte man/frau/kind vielleicht spöttisch dazu sagen – oder, wie das Ganze bekanntermaßen heißt, die sogenannte bedarfsorientierte Mindestsicherung.

Das wär’s jewesen für heute, ich muss schon wieder weg, die See ruft ;). Demnächst werden wir versuchen, uns den ganzen Schlamassel einmal näher anzusehen.

AG…

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Der übliche Schwachsinn · das Grundversorgungslogbuch · Teil 2

Sommer Spezial vom 21.06.2018 / → Teil 1, → Teil 3

Pünktlich zum heutigen Sommerbeginn startet hier die bereits angekündigte Serie von Beiträgen über die Erfahrungen einer Person, einer antragstellenden Person in Österreich, um es zu präzisieren.

Sie soll, wie auch alle anderen Beteiligten, anonym bleiben. Ich werde daher versuchen sie im weiteren Verlauf immer wieder einmal ein wenig zu skizzieren. Es handelt sich um eine Person mittleren Alters, die in einer Branche tätig ist, die in den letzten Jahrzehnten zusehends einschneidenden Veränderungen ausgesetzt war. Dies führte dazu, dass Ausbeutung und Prekarisierung (in der Folge verstärkt auch Selbstausbeutung und Selbstprekarisierung) unter den allermeisten innerhalb dieser Branche tätigen Menschen mittlerweile zu einer alltäglichen Lebensrealität geworden ist. Eine ganz normale Durchschnittsperson also.

Kurz zum Begriff des Prekariats im Allgemeinen: ‚Im römischen Recht‘, wir ziehen der Einfachheit halber die liebe Wiki zurate, ‚war ein Prekarium die unentgeltliche Überlassung einer beweglichen oder unbeweglichen Sache auf jederzeitigen freien Widerruf durch den Eigentümer. Ein Vertragsverhältnis zwischen dem Eigentümer und dem Nutzer (Prekaristen) wurde durch die Überlassung nicht begründet. Der Prekarist konnte die Sache gebrauchen oder nutzen, doch musste er jederzeit mit einem Widerruf rechnen. Insofern war ein precarium eine Bittleihe, abgeleitet vom Wort preces in seiner Bedeutung als Bitte.‘

Der Begriff des Prekären machte dann im Lauf der Geschichte noch ein paar Bedeutungsverschiebungen durch. Prekariat schließlich ist ein Neologismus der sich aus prekär (in der Bedeutung von unsicher, weil widerruflich) und (dem von Karl Marx geprägten Begriff) Proletariat zusammensetzt und gilt heute, um in der Wikipedia fortzufahren, ‚als eine neue Konzeption der post-industriellen Gesellschaftswissenschaften. Der italienische Politologe Alex Foti hat hierzu die These aufgestellt: „Das Prekariat ist in der post-industriellen Gesellschaft, was das Proletariat in der Industriegesellschaft war.“‘ und, um das Ganze ein wenig plastischer zu illustrieren, ‚Die Prekarier sind in diesem Forschungskontext (Friedrich-Ebert-Stiftung, Anm.) die Repräsentanten einer neuen Unterschicht der Abgehängten und Aussichtslosen. (…) Der entscheidende Unterschied zwischen Prekariat und Proletariat ist freilich, dass den Prekariern politisch nichts zugetraut wird. Bei ihnen handelt es sich um eine anonymisierte, zersplitterte Masse, ein Exemplum der „negativen Individualisierung“, die „in Begriffen des Mangels – Mangel an Ansehen, Sicherheit, gesicherten Gütern und stabilen Beziehungen – durchdekliniert werden kann.

Jetzt weiß ich auch endlich, warum ich mich bei diversesten Veranstaltungen klassischer linker Gruppierungen immer so unwohl fühle, wenn von der Arbeiter(innen)klasse die Rede ist. Wer soll das in absehbarer Zeit überhaupt noch sein? Wo doch Hannah Arendt bereits 1958 in Vita activa (oder im ungleich cooleren Originaltitel The Human Condition) von ‚Jobholders‘ gesprochen hat, von Menschen also, die alles andere sind als stolze Arbeiter und Arbeiterinnen. Hier läge möglicherweise das wahre Potential – das revolutionäre – des Klassenkampfs, liebe Linke, wenn ihr schon so darauf abfahrt. PREKARIERINNEN ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH! Oder so.

Lassen wir’s für heute einmal gut sein.

AG…

Ach ja, und hier der obligate Link zur entsprechenden Petition:

https://mein.aufstehn.at/petitions/zwangsenteignung-mit-uns-sicher-nicht

… und dem etwas verschärfteren Remix der Peti:

Zwangsenteignung? Mit uns kann man’s ja machen.

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Vorankündigung: Sommer Spezi

(Prä-) Sommer Spezial vom 11.06.2018 / → Teil 2, → Teil 3

So, liebe Freundinnen und Freunde der gepflegten Owezarerei, der Rotweinpegel meinerseits passt wieder so halbwegs, somit bin ich (hoffentlich) richtig getuned und deppert genug im Schädl für ein wenig Gratisarbeit an der Gemeinschaft, der gemeinen ;).

Hedopunk goes investigative, yeah Schatzis! Oder will das zumindest versuchen. Erstmalig. Und das ohne Sponsoring. Wir bitten daher um ein Bisserl Vorschussnachsicht für das pseudojournalistische Experiment. Und wenn’s nix werden sollte, wird’s halt nix.

Nach langem Ringen hat sich eine Person gefunden, nennen wir sie das Staatsbürgerlein, sich als Versuchsperson und Fallbeispiel zur Verfügung zu stellen. Es gehe, so meint sie, dabei unter anderem um die psychosozialen Auswirkungen einer Regelung innerhalb des Wohlfahrtssystems eines der reichsten Länder der Welt: Sagen wir Österreich dazu (da kummt ja sogar reich im Namen vor, da schau her!).

Mehr können wir im Moment nicht verraten, das sogenannte Rechtliche bedarf eventuell noch ein wenig der Klärung, drum darf ich heute – mehr hat in meinen Zustand ohnehin wenig Sinnn – ein kleines Bonmot aus der heimischen Musikszene vorausschicken. Von wegen geplantem 12-Stunden-Arbeitstag. Und so. Sagt’s mal, seid’s ihr jetzt endgültig wo angrennt? Ehrlich, jetzt. Ham’s euch in der ÖVP-Parteiakademie-Kantine statt Palatschinken die Schnipsel vom Aktenvernichter in die Fritattensuppe geschnitten? Seid’s ihr jetzt komplett hirnwaach? STOPP, AUS – die Musi: Ich kenn mich ja nicht wirklich gut aus mit Genre-Bezeichnungen, sagen wir einfach, es handelt sich um dämmrigen Dancehall-Grime-Dub mit alpenländischem Einschlag. Für mich ist es schlichtweg eines der besten Stücke Hip Hop, zumindest textlich, das je in Österreich produziert wurde. Mit einem feinen Wohlgeruch von Anarchie. Viel Freude Ihnen allen, liebe Leser und Leserinnen. 30 WOCHENSTUNDEN SIND MEHR ALS GENUG… UND DER MONTAG GEHÖRT FUCKIN‘ MIR, UARGH!

AG…

 

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)