Happy Birthday, Kleines… & Good Bye! Teil 2

Allseitig vom 30.04.2018 / → Teil 1

Was für eine miese Woche, total zum Sch… zum Schmeißen! Und ich hatte mir das so schön ausgemalt. Sie als geschichtsinteressierte Leser*innen wissen ja bereits, von wem das Kinderfoto stammt, und ich als fremden Kulturen Aufgeschlossener dachte mir, das wird ganz simpel. Ich kralle mir ein Bic-Feuerzeug und fackel dat Ding einfach ab. Dann warte ich, bis das Konterfei sich in kleine Aschefitzelchen verzehrt und die entschweben dann sanft gen Himmel. Auf dass die gequälte Seele, die darin eingefangen ist, in die ewigen Jagdgründe sich schleichen kann.

Ich habe dann aber doch sicherheitshalber meinen guatemaltekischen House-Buddy aus Long Island zu Rate gezogen. Der hat mich nur ausgelacht! Animismus? Das kann ich vergessen, hat der gemeint. Seit alle ein Smartphone mit 10-Megapixel-Dual-Kamera haben, interessiert das überhaupt niemanden mehr. Nicht einmal mehr den ärgsten tungusischen Hardcore-Schamanen. Da solle ich es doch lieber mit Zeitreisen versuchen und das Balg einfach abkrageln.

Puh, da stand ich also. Bleibt nur mehr der Zeilinger, dacht‘ ich mir. Der war dann auch gar nicht so schwer zu erwischen, wie ich befürchtet hatte. Über die Uni Wien kriegt man das schon raus, wie man den beim Wirten abpasst. Und was bekomm‘ ich dann vom Herrn Professor zu hören? Er habe doch an der Quantenteleportation geforscht, das sei schließlich ein anderes Paar Schuhe, lacht mich der aus, außerdem solle ich das nicht so wörtlich nehmen und überhaupt: Zeitreisen – har, har – wenn schon, dann sei doch jetzt Quantenkryptografie der heiße Scheiß. Ich möge doch erst einmal einen Grundkurs in Physik an der Volkshochschule ins Auge fassen, macht sich der über mich lustig und erzählt mir irgendwas von maximal verschränkten Zuständen, und dann kritzelt der wie an’tschechert irgendwelche unverständlichen Vektoren auf die mit Erdäpfelkas versaute Papierserviette.

Ich war echt verzweifelt und auch ein Bisschen ungehalten, ging es doch um ein so hehres Ziel wie die Errettung der Welt vor dem Erzübel, da könnte man doch von einem Nobelpreisträger erwarten, dass der sich ein Bisschen mehr Mühe gibt, als bloß auf einen Mega-Vertrag mit irgendsoeinem Telekom-Riesen zu spekulieren um beknackte E-Mails zu verschlüsseln. Schließlich würde ich mich doch höchstpersönlich und todesmutig zur Verfügung stellen für diese äußerst fragwürdigen Experimente Einsteinscher nichtlokaler spukhafter Fernwirkung – wie das schon klingt – und überhaupt sei er bei allem Respekt für seine Leistungen ein Dampfplauderer, was mir wiederum eine spontane Getränkedusche von professoraler Seite einbrachte. Schade um den guten Most (und mein bestes Hemd). Tja, sieht so aus, als müsste ich Sie heute enttäuschen.

Ach, und ich hatte mir das schon so nett vorgestellt. Den Kindsmord hätt’s dazu nicht einmal gebraucht, ich hätte einfach wie der Marty McFly mit dem DeLorean ein Sprüngerl ins Braunau von 1890 gemacht, das Binkerl g’schnappt, schnell zurück in etwas lichtere Zeiten (vielleicht nicht gerade 2018), gleich einmal ein g’scheites Aptamil-Flascherl hergerichtet, dann wär‘ das schon gegangen. Einfach ordentlich mit Hipp-Gläsern und Kipferln aufpäppeln den kleinen Scheitelträger und viele bunte Pixie-Bücheln vorlesen und, wenn er alt genug ist, mit ausreichend Bravo- und Pornoheftln versorgen, und später dann ab mit ihm auf die Kunstuni. Gar so übel waren doch seine Postkarten auch wieder nicht, und jetzt gibt es doch schließlich Photoshop und Improtheater und Facebook und Heidi Klum und Pornhub und Veggie-Burger und all so was, da wäre er schon auf andere Gedanken gekommen, der kleine Scheißer… hoppala, mir scheint, das entwickelt sich schon wieder in die verkehrte Richtung.

Sei’s drum, immerhin tröstlich ist, dass das wahrscheinlich sowieso alles nichts gebracht hätte. Um 1900 herum gab es vermutlich so viele dissoziativ gestörte, hysterische, zönästhetische, bazillophobe, koprophile (was alles nicht bewiesen ist, bitteschön), narzisstische, megalomane, paranoide (davon können wir doch eher ausgehen), xenophobe, antisemitische (das müssen wir wohl als gesichert erachten) Opfer (oder sagen wir: Prügelknaben) wie den Schicklgruaba-Buam, da hätten die wohl auch einen anderen schreierten Dolm aufgetan. Gab ja eh mehr als genug davon, die’s zu was gebracht haben, sind ja auch noch immer nicht ganz ausgestorben.

Ja mei… ich könnte da posthum, hab ich gedacht, was drehen und wenden, jetzt steh‘ ich da vor Ihnen, werte Leserschaft, mit leeren Händen. Da kann ich nur mehr um Nachsicht bitten und Ihnen demütig ein kleines Video kredenzen, es gibt ja schließlich auch Youtube (und ich weiß jetzt endlich, wofür das gut ist).

AG…

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Happy Birthday, Kleines… & Good Bye!

Allseitig vom 20.04.2018 / → Teil 2

Heute habe ich leider sehr wenig Zeit, möchte Ihnen aber trotzdem noch eine Kllleinigkeit posten, ich mach’s diesmal wirklich kurz. Das folgende Foto wurde vor sehr langer Zeit aufgenommen, und die abgebildete Person ist auch schon lange tot. Ich weiß, Tote sollte man/frau/kind ruhen lassen, so heißt es jedenfalls. In diesem Fall kann aber davon ohnehin nicht die Rede sein und diese Figur soll, zumindest was mich betrifft, schließlich in 10 Tagen wieder von der Bühne abtreten.

Dachte mir, ich versuch’s mal mit Schamanismus, ist ja eh schon einerlei im Land der Energetiker#innen. Hilft’s nix, so schadt’s nix. Eine gute Woche lang sollten wir das Buzerl schon aushalten können, dann soll es wieder von uns scheiden dürfen, was mich betrifft für immer. Ich plane seine rituelle Auslöschung. Die Zeit bis dahin ist ein wenig knapp, mal sehen, ob’s hinhaut. Ich hoffe es jedenfalls. Sollte ich selbst bis dahin das Zeitliche segnen, man weiß ja nie ob einem ein Stein auf den Schädel fällt, dann betrachten Sie diese Post als gegenstandslos oder sagen wir für alle Fälle einfach: Am 30. April 2018 möge der kleine Quälgeist ruhen – für immer!

Muss jedenfalls sagen: selten so ein herziges Baby gesehen. Verzagt schaut es drein, über die eine Wange scheinen ihm ein paar Tränen gelaufen zu sein, hat sich vielleicht gefürchtet vor der Kamera. Das waren damals noch ziemlich große Kästen. Oder vielleicht wollte es nicht alleine da sitzen ohne seine Mutter oder seinen kramperten Vater. Wir werden’s wohl nie erfahren.

AG…

(zum Vergrößern ins Bild klicken [gilt heute nur für kleine Bildschirmchen])

Bildquelle: Wikipedia, gemeinfrei (public domain)

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Facebook goes gen Italien, höchste Zeit!

21st Century Man vom 17.04.2018

Was ich stets als Privileg empfunden habe und als unglaublich entspannend, war nicht Facebook-Mitglied zu sein. Das war immer lustig mit Leuten darüber zu sprechen und wie emotional die dabei wurden. Was? Wieso? Wie willst du denn ohne? Und wehe, ich fing vielleicht auch noch an ein wenig zu lästern, das ging ab und an schon fast ein wenig in Richtung kopfschüttelndes Mobbing gegen den Verweigerer. Einmal hielt mir jemand in einer Bar eine regelrechte Standpauke, das lief in etwa so ab und es braucht auch noch eine kleine Vorgeschichte dazu:

Ich habe diesen Blog ja aus sehr persönlichen Gründen begonnen, dann nach und nach aber Gefallen daran gefunden zu schreiben. Keine Ahnung, was da ist. ‚Language Is A Virus From Outer Space‘ hat die US-amerikanische Künstlerin Laurie Anderson vor einer halben Ewigkeit einmal getextet. Ich glaube, in meiner Vorstellung trifft es das doppelt und dreifach. Vom Beginn an hat mir für meine Schreibkrankheit allerdings eine liebe Freundin angeraten, ich solle eifrig für Verbreitung sorgen.

Ich wäre selbst gar nicht darauf gekommen, mir war das völlig egal, irgendwie hat man ja auch so ein fiktives Publikum im Kopf, und man ist ja eher schüchtern als Frischinfizierter, aber ich nahm mir ihren Rat zu Herzen und distribuierte, wenn auch nicht gerade sehr eifrig. Und hedopunk-stylie, sprich: die Adresse der Website auf kleine Zettel geschrieben und gelegentlich Leuten in die Hand gedrückt, manchmal Freunden, manchmal Wildfremden, die ich beim Ausgehen traf. Das war immer ganz lustig und wurde vielleicht ab und an belustigt oder überrascht aber durchwegs positiv aufgenommen. Mit der Zeit hatte ich dann schon so einen gewissen Blick dafür bekommen, wen ich in einem Lokal mit meinem bekritzelten Papierschnipsel beglücken konnte.

Einmal jedoch, ich war schon recht gut illuminiert, erspäte ich auf einer Tanzveranstaltung eine potenzielle Leserin, die mir irgendwie ins Auge stach. Sie war sehr damenhaft gekleidet – weiße Bluse, schwarzer Rock, Jäckchen, leicht toupiertes, rotes Haar – und ich hätte schwören können, das steckte ein Mann darunter. Einerseits bringt mich das immer noch in selige und amüsante Verwirrung, andererseits erinnerte sie mich sehr stark an einen alten Freund, dem ich nach Jahrzehnten, in denen wir keinen Kontakt hatten, in der Straßenbahn begegnete. Der hatte es vorgezogen sein Geschlecht zu wechseln – oder Gender, wer weiß das schon so genau – und sah ein kleines Bisschen wie seine eigene Oma aus – transentechnisch einfach großartig. Wir begrüßten uns dann recht sittsam, fast ein wenig schüchtern und sehr diskret und talkten ein Bisschen small in der Bim. Ich muss in solchen Situationen immer an den seligen und göttlichen Divine denken, na ja, für seine Assoziationen kann man schließlich nichts. Die angesprochene Dame im Lokal hatte also gewisse Vorschusslorbeeren und ich reichte ihr mein Hedopunk-Zetterl.

Die Reaktion war überraschend heftig und das aus Gründen, die für mich bis heute im Dunkeln liegen. Also das gehe doch gar nicht. Ein Blog auf einer normalen Website. Und die Internetadresse auf einem Zettel. Aus Papier. Und du bist nicht bei einer Social-Media-Plattform? Das kann doch nicht sein! So geht das wirklich nicht! Meine Einwände, und das waren durchaus konkrete und höflich vorgebracht, wurden einfach weggewischt. Ich müsse mir meinen Erfolg doch abholen, und das gehe heutzutage nur mit Social-Media. Da gäbe es doch eh so eine große Auswahl, wobei, Facebook sei einfach die beste Wahl. Ich könne doch nicht als Geheimagent da so vor mich hin agitieren. Das wurde immer phantasievoller und abstruser, und dabei hatte die Dame noch keine einzige Zeile meines Blogs gelesen (wobei es das, denke ich, ohnehin eher verschlimmert hätte). Immerhin hatte ich bei der Plauderei die Gelegenheit die Dame aus der Nähe zu betrachten, revidierte meine ursprüngliche Annahme und war jetzt eher der Meinung es handelte sich um eine Frau mittleren Alters, die wie ein als Frau verkleideter Mann aussah, was mich jetzt noch mehr verwirrte. Mein Erfolgserlebnis des Abends war jedenfalls, dass mein Zettel schließlich doch in ihrer Damenhandtasche landete.

Facebook ist für mich allerdings seither nach wie vor völlig uninteressant geblieben. Zumindest als Medium für mich selbst, in der medialen Diskussion und Berichterstattung natürlich ganz und gar nicht. Es handelt sich dabei ja mittlerweile sowohl um einen gigantischen Kriminalfall als auch um eine unerhörte Polit- und Justizaffäre. Am Beginn des Jahres habe ich dann doch einen kleinen Test gemacht. Ich habe Facebook ja immer für eine verbrunzte Scheißplattform gehalten und tue das noch immer, aber man soll ja nichts unversucht lassen. Nicht zuletzt für Sie, geschätzte Leserinnen und Leser. Also habe ich ein FB-Account erstellt. Das Interessante war für mich gleich der Einstieg. Facebook hat mir da zur Begrüßung eine Liste von Personen ausgeworfen, die meine Freunde werden könnten. Von den 50 vorgeschlagenen Leuten kenne ich etwa die Hälfte, manche sind sogar mit mir verwandt und einige sind tatsächlich Freunde von mir. Woher weiß Big Data das? Ich war doch zuvor dort niemals Kundschaft, oder? Vor allem, was ist mit den anderen, die ich nicht kenne? Mir hat es jedenfalls gereicht, meine Vorbehalte nur verstärkt und ich habe nach einigem Suchen den Löschknopf gefunden und mein FB-Konto wieder geschlossen. Die Durchführung der Löschung dauert dann halt zwei Wochen, klappt aber, wenn man nicht weich wird, und es stellt sich dann innerhalb kurzer Zeit eine spürbare Erleichterung ein.

Letzten Sonntag hat mich Herr Ostermayer dann wieder auf Facebook gebracht, ich gebe jetzt einfach seine Einleitung zur Radiosendung ‚Im Sumpf‘ wieder, dann erspare ich mir lange Erklärungen:

„Morgen, verehrte Sumpf-Gemeinde, feiern wir den Tag der Schamteile – Genitals Day, wie wir Amis dazu sagen würden, wenn wir Amis wären. Morgen, Punkt 10 Uhr Vormittag sollten alle Menschen, die von Facebooks Politik der Kunstzensur angepisst sind, Fotos, Bilder und Zeichnungen von Penissen und Vulvas auf ihre Facebook-Seite stellen, am besten freilich Meisterwerke der Kunstgeschichte. Einen flötenblasenden griechischen Pan etwa, mit einer zweiten Flöte in der Leibesmitte, oder Michelangelos David-Statue mit dem schon beängstigend kleinen Zumpferl, oder Gustave Courbets behaarte Scham als Ursprung der Welt. Allerhöchste Kulturgüter allesamt, die Facebook gnadenlos zensuriert. Weitaus toleranter gibt sich die Konzernmoral, wenn es um Sexismus, Rassismus, Homophobie, NS-Verherrlichung und sonstige Meisterwerke der Unmenschlichkeit geht. Die widerwertigste Hetze, die ekelhafteste Verhöhnung steht unter dem Schutz der freien Meinungsäußerung. #Zuckerpussy, #Zuckerdick (oder #suckapussy, #suckadick?, Anm.)! Abermillionen Geschlechtsteile können nicht irren. Setzen wir mit Muschis und Pimmeln ein Zeichen! Facebook soll zugemüllt werden mit dem Natürlichsten, was diese bigotten Heuchler für obszön befinden – freilich keine Pornos, nicht einmal einen braven Geschlechtsakt, nur entblößte Schamteile, wie Gott sie schuf. Oder Botticelli oder Buonarotti, Caravaggio, Rubens, Cranach, Manet, Matisse, Egon Schiele, Man Ray, Günter Brus, Niki de Saint Phalle, Charlotte Moorman, Yoko Ono, Maria Lassnig, Valie Export, Elke Krystufek und so weiter und so fort. Machen wir aus Facebook eine gigantische Galerie der Glieder und Scheiden, kulturgeschichtlich abgesegnet, Prädikat wertvoll und jugendfrei ab 6! Denn nichts ist weniger anstößig als unsere Scham. Morgen Montag ist der Tag der Schamteile. Teilen wir sie, in Gottes Nam‘!“

Schöner kann man’s wirklich nicht sagen. Ich hoffe, der Herr O. verklagt mich jetzt nicht wegen des geschändeten Urheberrechts oder sein Sender, aber es würde dann auch einem treuen Mitglied seiner Gemeinde arg mitspielen, fast schon einem Familienmitglied. Um wieviel trister wären die Achtzigerjahre in der Provinz für mich verlaufen, wenn ich nicht als pubertierender Knabe in der ‚Musicbox‘ seiner damals schon sonoren Stimme lauschen hätte können und der seines leider verstorbenen Kollegen, Gott hab ihn selig, Werner Geier? Da gab es noch kein FM4, und Ö3 war zwar weniger schlimm als jetzt, nehme ich an, aber doch schlimm genug. Dass aus mir trotzdem nichts Gescheites g’worden ist, Onkel Fritz, kann doch wohl nur mehr an der bösen Welt da draußen liegen, also bitte sei gnädig!

Was den Aufruf betrifft, na, da kann man doch nur der Aufforderung zur hochanständigen, genitalen Agitation folgen, das ist doch beinahe Ehrensache! Deswegen gibt es hier sogleich einmal das Werk des japanischen Großmeisters Katsushika Hokusai ‚Der Traum der Fischersfrau‘, und ich muss mich ja hier nicht auf die solitäre Darstellung der Gemächte beschränken, also darf es auch ein wenig schlüpfrig werden und ich Ihnen meinen Versuch einer deutschen Erstübersetzung des Textes dieser maritimen Shunga-Grafik aus dem 19. Jahrhundert gleich mitposten, den Beitrag gibt es bis jetzt in der deutschsprachigen Wiki noch nicht.

(zum Vergrößern ins Bild klicken)

Bildquelle: Wikipedia, gemeinfrei (public domain), Katsushika Hokusai, Tako to amaDer Traum der Fischersfrau oder auch Muscheltaucherin und Oktopus oder auch Muscheltaucherin und zwei Kraken

GROSSER OKTOPUS: So lange habe ich im Verborgenen auf dich gewartet, und endlich habe ich dich? Was für eine feine Muschi! Es könnte nicht köstlicher sein! Schlürf, Schlürf… Zuzl, Zuzl, Zuzl… Ich werde dich in den Drachenpalast führen, nachdem du bedient worden bist.

FRAU: Verdammter Oktopus! Ah, ah, du langst an meine Zervix! Ich kann nicht atmen! Oh, ich komme, deine Saugnäpfe… oh, deine Saugnäpfe… oh, was du damit anstellst! Oh ja, oh ja… Ich bin noch nie so… aaah, aaah… von Kraken… mmm… gut, gut… ja… da… Schlürf, Schlürf, Schlürf…

GROSSER OKTOPUS: Wie fühlt sich das an von acht Armen aufgegeilt zu werden? Da, du bist so erregt und völlig nass.

FRAU: Oh, es kitzelt, und ich verliere die Kontrolle über meinen Unterleib. Ich verliere die Kontrolle! Ich komme! Ah, ah…

KLEINER OKTOPUS: Wenn Papa fertig ist, werde ich rubbeln und zuzeln, von der Klitoris bis in die kleinsten Vertiefungen, mit meinen Saugnäpfchen!

Und wenn Sie mir die Übersetzung jetzt gar nicht glauben möchten, dann sehen Sie sich doch die englische Vorlage an (hier der Link, der Text befindet sich unterhalb des Bildes). Direkt aus dem Japanischen kann ich Ihnen das beim besten Willen nicht verdolmetschen, und der Radius meines japanischen Freundeskreises ist leider gleich Null, das ist ein Bissl dürftig, ich weiß, was soll’s. Aber diese Pikanterie von dem Meister H. – der war schon ein Odrahter, mein liebes Seepferterl!

AG…

Oh, das wichtigste hätte ich fast vergessen, Hedopunk gibt es jetzt doch auf Facebook und zwar hier (Pardon, den Link gibt’s nicht mehr, bin gleich nochmals übersiedelt und zwar hierhin). Ich kann doch den Fritz Ostermayer nicht hängen lassen! Die Idee ist einfach zu gut. Ich war zwar nicht um zehn Uhr vormittags zur Stelle, habe aber pünktlich um zehn Uhr nachts mein Ding gepostet (hatte am Vortag dem Rotwein etwas zu sehr zugesprochen). Ich hoffe, Sie verzeihen als ganzer einem halberten Burgenlandler diesen Fauxpas, lieber Fritz. Und Sie, liebe LeserInnen müssen, falls Sie das Bild auf Facebook sehen wollen, fürchte ich, eingeloggt sein, sonst sieht man/frau/kind da nichts, oder Sie können sonst nicht posten, glaub‘ ich zumindest – verflucht – was weiß ich, kenn‘ mich da noch nicht wirklich aus in diesem Sauhaufen. Sie können das natürlich auch als Aufforderung zum Mitmachen auffassen, Sie haben doch sicher auch Facebook. Nicht? Was? Wieso? Wie wollen Sie denn ohne? Hier ist zur Sichereit der Link auf die Facebook-Seite unseres allseits geschätzen und verehrten Radio-Heilsbringers Fritz O., da haben Sie auch schon mal ein paar schöne Beispiele und Anregungen. Mal sehen, wie das läuft mit Facebook, erwarten Sie bloß nichts von mir, ich werde mich bemühen das so schluddrig wie möglich zu handhaben. Ist ja doch bloß eine grindige Trash-Plattform. Mir ist das egal, ich weiß ja jetzt, wie man das Konto löscht. Wie man ihm entfleucht, dem sozialen Netzwerk.

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Eine halbherzige Empörung und ein halber Nachruf

Allseitig vom 14.04.2018

Tja, jetzt ist es also passiert. Die rote Linie ist überschritten und wir kriegen wieder die fast schon vergessenen grünen Bilder geliefert, die nachtsichtigen, die Corporate Identity muss schließlich stimmen. Jetzt wissen wir also endlich mit Gewissheit, was so viele nach der – wie wir gleichfalls so gut wie sicher wissen – geschobenen Wahl des toupierten Trottels sich so voll Sorge gefragt haben. Ob der bloß ein Großmaul ist oder tatsächlich ein Button-Pusher.

Letzteres ist er jetzt auf alle Fälle, sowohl in der wörtlichen Auslegung, also jemand, der auf den Knopf drückt, als auch in der umgangssprachlichen, also jemand der bei anderen gerne Knöpfe drückt, ein sogenannter Instigator, wie wir aus dem Urban Dictonary erfahren, jemand, der die Eskalation mag, der gerne Stunk macht, na, ganz einfach ein blödes Arschloch, das war er ja auch schon vorher, wenn auch ein bauernschlaues, oder? Und ein feiges noch dazu, mag mancher oder manche anfügen, sonst hätte er wohl nicht noch zwei andere dazu gebraucht. Interessanterweise zwei, die – so wie er selbst – gerade innenpolitisch ausreichend Kacke am Dampfen haben, was jetzt wiederum die Beobachtung des amerikanischen Sozialwissenschaftlers und Psychohistorikers Lloyd deMause bestätigen würde, die dieser wiederum der Aussage eines Politikers – fragen Sie mich jetzt nicht welches – verdankt (und ich gebe diese auch nur sinngemäß wieder): Man muss weltpolitisch immer ein paar Töpfe am köcheln haben. Wohl um vom eigenen Unvermögen abzulenken, darf ich verkürzend hinzufügen. Das hat bis jetzt, zumal in besonders patriotischen Ländern, immer ganz gut geklappt, bis zum nächsten Katzenjammer halt.

Na, da wird sich der Vladimir aber freuen und der Bashar und noch ein paar andere Bauernschlaue, die sich solche Mühe gegeben haben ihre Provokationen so weit zu treiben, dass es auf ein paar zerschossene Schulen und Krankenhäuser dort und da und ein paar Kampfgasangriffe auf Kinder und erwachsene Zivilisten mehr oder weniger anscheinend auch schon nicht mehr angekommen ist. Schaut ja dort streckenweise eh schon aus wie im komplett zerbombten Dresden, nachdem der gute Winston nach dem ohnehin schon gewonnenen Weltkrieg, dann auch nicht mehr an sich halten konnte und sein äußerst gründliches Exempel statuiert hat. Und bauernschlau war die heutige Reaktion der Raketenmänner und -Frau dann schließlich auch irgendwie. Was gibt es denn da zu mäkeln bei solch unglaublicher Präzision der militärischen Hochtechnologie?

Na ja, jetzt sind wir g’scheiter, was? Wie schon mal erwähnt, Politik ist nicht wirklich mein Ding, die kann nichts mehr als einem entweder kalte Schauer über den Rücken zu jagen oder die Fingernägel über den Hinterkopf. Außer vielleicht manchmal noch im Kleinen – Stichwort Munizipalismus – aber ich komme trotzdem lieber zu einem zeitgleichen Geschehnis, das meine Aufmerksamkeit erregt hat: Miloš Forman ist vergangene Nacht gestorben. Es gibt ja nichts beschisseneres als Todesnachrichten zu verbreiten, überhaupt, wenn man das nicht muss, aber da komm‘ ich irgendwie nicht drum herum. Der war mir immer einer von den ganz Allerliebsten, selbst dann, wenn er ein Bisserl dabeben war oder geflunkert hat oder historisch falsch lag, fragen Sie mich nicht warum, der konnte das einfach: voll ins Schwarze treffen. In jenes der sogenannten menschlichen Seele.

Und ich erspare mir und Ihnen jetzt Lobgesänge auf seine großartigen Erfolge und Bravourstücke anzustimmen, wie Einer flog über das Kuckucksnest (1975), Hair (1979), Amadeus (1984) oder Larry Flynt – Die nackte Wahrheit (1996), das erledigen sowieso gerade eifrig die Medien. Stattdessen möchte ich Sie auf einen seiner Filme hinweisen, der möglicherweise ein wenig untergegangen sein könnte. Zumindest war das kein großer Erfolg – rund neun Millionen US-Dollar weltweit am Box Office ist für einen Film aus den Zweitausenderjahren geradezu mickrig – und die Kritiker haben sich auch nicht gerade überschlagen. Ach ja, der Titel des Films lautet Goyas Geister, Goya’s Ghosts im Original und er kam 2007 in die Kinos.

Darin geht es vordergründig um Francisco de Goya, den spanischen Maler und Grafiker des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, kongenial verkörpert von Stellan Skarsgård, und hintergründig geht es, nun ja, um den Hintergrund, würde ich sagen, den historischen. Die Geschichte beginnt zur Zeit der spanischen Inquisition, und zwar in der Endphase dieser übelsten Drecksbande in der Geschichte des Katholizismus und nimmt dann schließlich eine abrupte Wendung, als Napoleons Truppen in Spanien einmarschieren. Das Augenfällige dabei ist, dass die Machenschaften der Inquisitoren da schon ein Ausmaß an bürokratischer Routine, Willkür und Dekadenz erreicht hatten, dass es einen nur so schwindelt, bei der bloßen Vorstellung das Leinwandgeschehen als ein historisches zu begreifen. Und Miloš Forman gelingt das, was ihm in seinen guten Arbeiten stets gelingt, er holt das Ganze auf eine im äußersten Maße persönliche Ebene. Der weiß einfach, wie man das hinkriegt, dass das so richtig weh tut. Darum verzeiht man/frau ihm auch stets so gerne seine Abweichungen von der historischen Wahrheit, die sind ohnehin offensichtlich. Dafür gelingt es ihm, die direkten Auswirkungen der politischen Verhältnisse auf einzelne Protagonist*inn*en in einer Drastik über die Leinwand rüberzubringen, dass es selbst dem ärgsten Zyniker und der schlimmsten Zynikerin eine Gänsehaut aufziehen muss.

Und er hat in diesem Fall auch noch ein großartiges Schauspielensemble zur Hand – unter anderen Natalie Portman als buchstäblich bis auf’s Blut gequälte junge Muse des Malers, eine Rolle, die jede andere Hollywoodschauspielerin ihres Kallibers wohl als geschäftsschädigend abgelehnt hätte, und Javier Bardem in der besten Rolle seiner Karriere, wenn Sie mich fragen. Vergessen Sie No Country for Old Men und schauen Sie sich Bardem in seiner Rolle als opportunistischer Pater Lorenzo an.

Mich würde es jucken Ihnen noch mehr von der Handlung zu schildern, aber Sie könnten den Streifen ja möglicherweise noch nicht gesehen haben, deswegen verrate ich lieber nicht zu viel. Der Film ist obendrein auch noch spannend wie ein Krimi, deftigst mit Sarkasmus gewürzt, streckenweise herzzerreißend und manchmal ganz einfach unsagbar düster. Mit der Bitternis am Ende, zumindest hat mich eine solche erfasst, müssen Sie dann halt alleine klarkommen.

Eine der lauwarmen Kurzkritiken, über die ich gestolpert bin, meint, dass Miloš Forman das „Malerauge vor allem als Beobachterauge und die Kunstwerke als Zeitdokumente, auf die sich die fiktive Geschichte insbesondere im Vor- und Abspann beruft“ begreift (Critic.de). Das ist ja ganz lieb geschrieben, trifft aber irgendwie auch den genialen Kern des Films (oder eher knapp daran vorbei), der ihn so angenehm von typischen Künstler-Biopics über einsame, weltfremde Genies absetzt. Schließlich war Goya ja nicht „nur“ Hofmaler (gelegentlich auch Pornograph) sondern gerade in seinen späten Jahren der wichtigste Chronist einer Zeit der heftigsten Umbrüche, zumindest was Bilder betrifft, und zwar einer, der sich seine eigene moralische Haltung zum Zeitgeschehen erlaubte, was ihn auch immer wieder in Schwierigkeiten und schließlich in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts dazu brachte Spanien zu verlassen. Das war keine Lappalie die Kirchenväter als Blutsauger und Kriegstreiber darzustellen, zerfetzte und aufgespießte Kriegsopfer abzubilden und das Ganze dann als Radierzyklen zu vertreiben.

Was mich jetzt noch einmal zum Anfang zurückführt. Der österreichische Philosoph Thomas Macho, hat, wenn ich mich richtig erinnere, zur Zeit des ersten Golfkriegs einmal bemerkt, dass dieser so eigenartig leergeräumt sei von allen Greueln, so glatt inszeniert, so technisch perfekt und sauber, was die Berichterstattung betrifft. Es ging in dem Zusammenhang auch um den Vietnamkrieg, den letzten Krieg, der seiner Beobachtung nach von ambitionierten Journalisten noch zeitnah, ungeschönt und direkt abgebildet wurde. Schon klar, nachher haben wir dann auch bei späteren bewaffneten Konflikten, wie das medial so schön heißt, von den schmutzigen Seiten erfahren, so wir denn wollten, von den Golfkriegen genauso wie vom Jugoslawien-Krieg, vom Völkermord in Ruanda, von den Greueltaten der Roten Khmer (zu einem gewichtigen Teil eine Folge der Politik Richard Nixons). Relativ lange danach. Da drängt sich einem irgendwie die Frage auf, wer die heutigen Goyas sind oder sein werden. Posten die auf Youtube oder Instagram, oder ist das alles ohnehin schon so abgehoben, dass da gar nichts mehr greift bei uns? Das funktioniert echt bestens. Ich mein‘, ich schau mir das an, was da halt so läuft auf verschiedenen Kanälen, und mir ist das schon dermaßen egal, echt jetzt, die ballern heute frühmorgens über hundert ferngelenkte Raketen in irgendwelche Ziele in Syrien, und mir ist das eigentlich so was von wurscht, da reg‘ ich mich doch über jede Zugverspätung mehr auf.

AG…

Ach ja, und dass der Basti die nächtliche Hauruck-Aktion in Ordnung findet, wundert mich jetzt aber komischerweise gar nicht, dem scheint im eigenene Landl irgendwie schön langsam auch das Popscherl auf Grundeis zu gehen, und vom Erdo fang‘ ich erst gar nicht an.


(zum Vergrößern ins Bild klicken)

Bildquelle: Wikipedia, gemeinfrei (public domain), Francisco de Goya, El sueño de la razón produce monstruos

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Die schnelle Küche: Chips

Flashback kitchen vom 13.04.2018

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Enthält: Kartoffeln, Sonnenblumenöl, Speisesalz und in geringen Spuren natürlich eine ganze Reihe Chemikalien, vor allem im Gemüse, von denen ohnehin kein Schwein weiß, was das alles sein soll und womöglich anrichtet. Ich verlass‘ mich da einfach auf die strengen Lebensmittelnormen innerhalb der EU.

Zutaten:

1 Packung Kartoffelchips

Zubereitung:

Sackerl aufreißen und Chips futtern

Alternative Zubereitung (für genießerisch und praktisch Veranlagte):

Schneiden Sie die Packung mit einer Schere auf (dann reißt das Material nicht so leicht ein), geben Sie den Inhalt in eine Schüssel und verwenden Sie die Verpackung als Mistsackl, bon appétit!

Getränkevorschlag:

Wasser

AG…

Tja, seit die EU­ die überaus ambitionierte Plastiksackerlverordnung verabschiedet hat, manche würden dazu wohl eher Augenauswischerei sagen (wenn Sie hier verständlicherweise widersprechen, dann nehmen Sie doch mal Ihren Wochenendeinkauf aus Ihrer schicken, umweltbewussten Stoff-Einkaufstasche und vergleichen Sie Gewicht und Volumen aller Einzelverpackungen aus schönem dicken Kunststoff, Styropor, Glas, Karton, Weißblech, Aluminium, Wachs, Verbund- und Klebstoffen etc. mit einem handelsüblichen Plastiksackerl und sagen mir dann nochmals, dass die angesprochene EU-Verordnung mehr ist als ein Schas im Wald), wird es immer schwieriger an gratis Müllsäcke zu kommen. Und Einkaufssackerl sind ohnehin schon seit längerem sündteuer. Ach, Sie kaufen diese tollen, praktischen dünnwandigen Müllsäckchen, die in der Rolle erhältlich sind. Sie bezahlen also für etwas, dessen einziger Zweck darin besteht im Müll zu landen? Ehrlich?

Sie kaufen also gerne Müll. Hm, interessant…

Wie auch immer, das heutige Rezept ist für diese, wie soll ich sagen, gewissen Tage gedacht. Sie kennen das sicher – eigentlich haben Sie sich nicht wirklich viel bewegt, ergo wenig Energie verbraucht. Der Tag ist schon weit fortgeschritten und Sie wollen auch gar nicht mehr damit anfangen, Energie zu verbrauchen mein‘ ich, zu kochen zum Beispiel. Nicht, dass Sie den ganzen Tag nichts getan hätten, aber Sie sind auch nicht wirklich hungrig, vielleicht war Ihre Beschäftigung eher geistiger Natur oder Sie hatten einfach frei und auch keine Lust auf Sport.

Was also spricht gegen ein Sackerl der guten alten Chips? Nun, da gäbe es vermutlich verschiedene gesundheitliche, ernährungswissenschaftliche Einwände. Das Knabberzeug wird doch stets aus den billigsten Zutaten mit dem miesestem Fett hergestellt und obendrein wird das Ganze auch noch mit dem gefürchteten Glutamat versetzt! Das Zeug kann doch keine Sau fressen! Da wird man/frau/kind doch krank! Hier kann ich vielleicht die erste Entwarnung aussprechen. Selbst bei vielen No-Name-Discounter-Chips wird mittlerweile nichts anderes mehr verwendet als Erdäpfel, Sonnenblumenöl und stinknormales Salz. Achten Sie einfach auf die richtige Sorte und die Verpackungshinweise, Sie brauchen dazu nicht einmal das Kleingedruckte zu lesen. Und wegen des Bisschens Fett würde ich mir auch keine Sorgen machen. Ihr Körper braucht Fett, sonst sterben Sie, und die Kartoffeln selbst enthalten schließlich verdammt wenig davon (genauer: 0,1 Prozent), die fertigen Chips im schlimmsten Fall 35 Prozent. Aber oh, die bösen Kohlehydrate! Naja, 50 Gramm auf 100 Gramm Kartoffeln gerechnet ist jetzt auch nicht gerade der Schocker. Wir sprechen von Kohlehydraten (hauptsächlich in Form von Stärke), nicht von Zucker. Dafür enthalten Kartoffeln den höchsten Anteil von verwertbarem (und noch dazu äußerst hochwertigem) Eiweiß aller pflanzlichen Eiweißlieferanten, bei gerade einmal 2 Prozent Eiweißanteil, schräg oder? Dazu kommen dann noch eine ganze Reihe Mineralien wie Kalium, Phosphor, Magnesium, Calcium, Natrium, Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Selen und fast ebensoviele Vitamine, aber die zähl‘ ich jetzt nicht alle auf (außerdem geht vermutlich ohnehin das meiste davon beim Frittieren flöten). Ein wenig Vorsicht ist lediglich bei grünen Stellen geboten – die sind auch nach dem Erhitzen toxisch, aber das wissen Sie bestimmt, nicht wahr?

FETT und KOHLEHYDRATE, geil! 1325 Kilokalorien in 250 Gramm Kartoffelchips für 1 €! Deswegen reicht es mir nach einer Packung (die übrigens auch den Tagesbedarf an Salz deckt) dann immer, wogegen es mich beim Mc Donalds eigenartigerweise nach eh schon einem Doppel-Hamburger mit großen Pommes immer nach noch einer Portion verlangt. Was also sollte noch dagegen sprechen ab und zu Chips zu futtern?

Ah, die Herstellung! Hier wird es interessant. Tatsächlich kommt es durch das Frittieren der Kartoffelscheiben bei hohen Temperaturen verstärkt zur sogenannten Maillard-Reaktion. Klingt kompliziert, ist noch komplizierter (die Details dazu finden Sie in der Wikipedia, die sind dann noch länger als dieser Beitrag). Kurz auf den Punkt gebracht ist dabei vor allem beachtenswert, dass Acrylamid gebildet wird. Hier scheiden sich dann aber auch schon wieder die Geister. Einerseits wird dieser Substanz aus der Gruppe der Amide nachgesagt die DNA zu verändern und krebserregend zu sein (diese Erkenntnisse stammen aus Tierversuchen mit hohen Dosierungen), andererseits fand laut der Wiki eine Studie von 2003 kein erhöhtes Krebsrisiko, das Darmkrebsrisiko nahm mit zunehmenden Acrylamidgehalten in der Nahrung sogar ab‘. Entscheidend scheint hier der Acrylamidspiegel im Blut zu sein, und der ist, so wie es aussieht, auch bei notorischen Pommes- und Chipsessern gering und aus wissenschaftlicher Sicht nicht signifikant‘. Seltsam. Anzumerken wäre jedenfalls, dass seit 2002 der Acrylamidgehalt von Kartoffelchips in Deutschland um ca. 50 Prozent gesenkt wurde. Überdies erlauben neue industrielle Herstellungsverfahren mit Vakuumfritteusen das Frittieren bei niedrigen Temperaturen und eine Fettreduktion durch die Ausnützung der Zentrifugalkraft (dann sind es nur mehr zwischen 17 und 22 Prozent Fett. Hm, weiß nicht recht, glaub‘, da bleib‘ ich lieber bei den ungeschleuderten). Schaut also nicht so schlecht aus für die Kartoffelchips der Zukunft. Mir ist das ohnehin wurscht, sterben müssen wir schließlich alle – dann schon lieber mit Chips im Magen, oder?

Erfunden wurde das Gericht übrigens am 24. August 1853 von George Crum, einem US-amerikanischen Koch. Vermutlich. Ein Gast hatte sich wohl über zu dicke Bratkartoffeln beschwert. Mir wäre es umgekehrt lieber. Für einen Euro bekommen Sie im günstigsten Fall 250 Gramm Kartoffelchips, um dieselbe Kohle kriegen Sie selbst von etwas hochpreisigeren Erdapfelsorten ein ganzes Kilo. Die müssten Sie dann allerdings selbst schälen, schneiden und braten. Dafür geht dann Strom drauf. Und Zeit. Und Fett. Und beim Braten entsteht Acrylamid (oder messen Sie in Ihrer Pfanne etwa die Temperatur?).

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Ein für alle Mal

Aushang vom 10.04.2018 (letztes Update: 18.07.2018)

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Ich sag’s nur einmal, liebe Spammer#innen: DAS HIER IST KEINE WERBEPLATTFORM! WIR SIND HIER NICHT IM VERBRUNZTEN FACEBOOK, TWITTER, INSTAGRAM, YOUTUBE ODER SONSTIGEN HIRNLOSEN, SOGENANNTEN ‚SOZIALEN MEDIEN‘, DIE MITTLERWEILE ANSCHEINEND NUR MEHR DAZU DA SIND EUCH MIT VÖLLIG SCHWACHSINNIGEN WERBEANGEBOTEN DAS GEHIRN AUFZUWEICHEN, EURE PERSÖNLICHEN DATEN ODER DIE EURER MITBÜRGER UND MITBÜRGERINNEN, DIE IHR DENEN IN EURER GRENZENLOSEN VERBLÖDUNG UND GEDANKENLOSIGKEIT GLEICH MIT- UND AUSGELIEFERT HABT, AN DIE BESTBIETENDEN ZU VERSCHERBELN UND IRGENDWELCHEN PSEUDOFEMINISTISCHEN ODER WIE AUCH IMMER GEARTETEN HASHTAG-TERROR ZU VERBREITEN!! DER TERRORIST HIER, WENN SCHON, BIN ICH!!! UND IHR MÜSSTET EIGENTLICH SCHON MITGEKRIEGT HABEN, DASS ICH KEINE EINZIGE EURER WERBEPOSTINGS – EGAL OB ES SICH DABEI UM GRINDIGE, PHANTASIELOSE PORNOGRAFIE, PLUMP BAUERNSCHLAUE FINANZWETTEN, VÖLLIG ÜBERFLÜSSIGE KONSUMPRODUKTE, WINDIGE VERSICHERUNGEN ODER CREDIT-LOANS, DEPRIMIERENDE ONLINE-CASINOS, DRITTKLASSIGE, WIRKUNGSLOSE POTENZMITTEL, DYSFUNKTIONALE WERBESOFTWARE, GEHIRNAMPUTIERTE ASTROLOGIE, GETÜRKTE SPENDENAUFRUFE ODER SONSTIGEN DRECK HANDELT (and not to forget fuckin‘ dead links, you stupid little cowards) – JEMALS ALS KOMMENTAR ZUR VERÖFFENTLICHUNG ZUGELASSEN HABE!!!!

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ALSO SCHALTET EURE SEARCHBOTS EINFACH AUS, GEHT EIN EIS ESSEN, GEHT JOGGEN, BESUCHT EURE OMA, SCHÜTTET EUCH MIT BILLIGEM ALKOHOL ZU UND SCHLAFT EUREN RAUSCH AUS, SCHLAGT EUREN KAMPF- ODER SCHOSSHUND – NEIN, BESSER NICHT, DER KANN NICHTS DAFÜR – SCHLAGT LIEBER EUREN PEGIDA-NACHBARN, FAHRT EUREN POTTHÄSSLICHEN SUV AN DIE NÄCHSTE BETONWAND, SCHICKT EUREN ELTERN HASSPOSTINGS – DIE KÖNNEN WAHRSCHEINLICH WAS DAFÜR – MACHT DEM SUPERMARKTKASSIER EIN NETTES, HARMLOSES KOMPLIMENT – LIEBER DOCH NICHT, DAS GEHT BEI EUCH GARANTIERT IN DIE HOSE – BESSER: ZÜNDET EUREN GESAMTEN HAUSRAT AN – DA KANN UNMÖGLICH ETWAS BRAUCHBARES DABEI SEIN – UND DANN SETZT EUCH IN DEN ASCHEHAUFEN UND SCHIEBT EUCH DEN MITTELFINGER – ABER IMMER SCHÖN VORSICHTIG – SO LANGE UND SO TIEF IN DEN ARSCH ODER IN SONSTIGE EURER KÖRPERÖFFNUNGEN (DAZU KÖNNT IHR DANN EUREN EIGENEN BEKNACKTEN DATENMÜLL ALS ANREGUNG BENUTZEN) BIS DAS DUMPFE, GUMMIARTIGE GEFÜHL IN EUREM SCHÄDEL LANGSAM NACHLÄSST!!!!!!!!!!

Tja, wenn das alles nichts nützt, kann ich euch auch nicht helfen, bin schließlich kein Psychologe, werd‘ auch nicht bezahlt dafür. Hoppla, das wär‘ vielleicht eine Möglichkeit. Geht’s doch einfach zum Professionisten oder zur Professionistin! Da gibt’s doch sicher gute, unverbindliche Angebote im Netz. Psychosozialer Dienst oder so. Die helfen euch bestimmt weiter. Viel Glück!

AG…

Und nehmt’s das alles nicht so tragisch und euch selbst nicht gar so ernst . So böse, wie ihr vielleicht meint, seid ihr eben nicht – im Grunde seid’s ihr doch wie die Social-Media: Ihr verramscht ja eh nur einen Haufen Schas. Genau genommen seid ihr ja sogar das soziale Medium – dann stimmt auch die Bezeichnung plötzlich wieder, sowohl medientheoretisch als auch juristisch – bloß cashen tut halt jemand anderes. Und bei den Großen? Nein, nein, nicht schon wieder der ach so schlimme Herr Zuckerberg, der spendet obendrein sogar recht brav für Bildung und Gesundheit. Und er hält gerade mal 28 Prozent, von Facebook Inc., naja, das größte Bröckerl immerhin, dafür muss er dann aber auch den Kopf hinhalten, für diesen Schweizer Käse eines Datensatzes.


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Bildquelle: Wikipedia, gemeinfrei (public domain), remixed by MxO

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Apropos Frauenvolksbegehren – was läuft bloß mit der TV-Berichterstattung schief? Teil 3

21st Century Man vom 08.04.2018 / → Teil 1, → Teil 2, → Teil 4

(zum Vergrößern ins Bild klicken)

Nach vorwöchigem Stand haben 570.000 StaatsbürgerInnen für das Anti-Raucher-Volksbegehren unterschrieben, 230.000 für das Frauenvolksbegehren optiert. Das muss man/frau/kind sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da waren also 570.000 Leutchen auf ihren Gemeindeämtern oder an ihren digitalen Stimmabgabevorrichtungen und haben – gaaanz bestimmt in allergrößter Sorge um die Volksgesundheit – dafür votiert, dem nebelig öffentlichen Selbstzerstörungstreiben und der unerhörten fumanten Belästigung armer, unschuldiger Restaurantfachfrauen und -Männer endlich ein Ende zu setzen, und mehr als die Hälfte davon hat es nicht für wert befunden – wenn sie schon einmal dabei sind – gleich auch noch ein Hakerl für die Frauen in diesem Land zu machen.

Ah, verstehe, die waren in Sorge, die haben sich das Kleingedruckte des weiblichen Begehrs zu Gemüte geführt: Dass da der Vater Staat den Unterhalt vorschießen soll für die Kinder von alleinerziehenden Müttern – und zwar pronto – und sich den seinerseits von den Vätern zurückholen muss, anstatt die Frauen in zermürbende Rechtsstreitigkeiten zu verwickeln. Die armen Männer würden dann ja verfolgt, gepfändet gar und im schlimmsten Fall sogar eingesperrt. Schließlich kennen wir den lieben Staat ja schon ein Bisserl – der ist bei zu erbringenden Leistungen nicht gerade der schnellste und zugänglichste aber recht flott und auch ziemlich unerbittlich, wenn es vom Staatsbürger oder von der Staatsbürgerin etwas zu holen gibt, oder? Diese hinterlistigen Weiber wollen uns da wohl ein Kuckucksei mitverbraten!

Nun, genau genommen würde das grundsätzlich eigentlich recht wenig ändern, die Unterhaltsverpflichtung gibt es ja bereits jetzt, und auch jetzt schon gehen Männer dafür in den Häfn. Schaut fast so aus, als wäre da generell etwas im Hintertreffen. Ich denke allerdings, die alleinerziehenden Mammis wollen lediglich nicht mehr warten, bis das Kinderl schon fast dem Schulalter entwachsen ist und sich den Rücken krumm buckeln, dafür, dass sie dem lieben Kleinen eine anständige Versorgung zukommen lassen. Also ein gemütliches Heim, was G’scheites zum Anziehen, gesunde Ernährung, vernünftige Spielsachen, eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung, eine zeitgemäße pädagogische Betreung und lauter solche Sachen und nebenbei vielleicht selbst auch noch ein Bisserl leben. Na, wenn das nicht im Sinne der Volksgesundheit ist!

Aber ich versteh‘ schon, die wahrlich Progressiven kratzen sich natürlich schon am Kopf und fragen sich, was daran so fortschrittlich sein soll. Schließlich wird da den Männern ja ganz nebenbei das Recht abgesprochen selbst den häuslichen Weg einzuschlagen. Vielleicht hätte der weibliche Part ja mehr Talent und Antrieb sich in eine Karriere in der Leistungsgesellschaft zu stürzen, und der gute Vati würde lieber zu Hause bleiben und sich ums Windelnwechseln und Flascherlkochen kümmern. Oder vielleicht wollen sich die beiden das ja aufteilen. Gibt es immer nur eine Art von Selbstbestimmung? Und muss die immer ins soziale Aus führen, für wen jeweils auch immer? Wie kommt es, dass der Papa, der leibliche als Ewig-Was-Schuldigbleibender zurückbleiben können darf? Und wozu sollen das immer nur die Frauen entscheiden dürfen? Oder können die gar erst gar nicht aus? Ist leicht gar der Staat der Hinterlistige, der Sich-Vor-Der-Verantwortung-Drücker, der Schuft, der Rabenvater (wobei hier nebenbei zoologisch anzumerken ist, dass [die echten] Rabenviecher zu den fürsorglichsten Vogeleltern gehören)?

Nun ja, berechtigte Fragen vielleicht, leider kann Ihnen die beim besten Willen nicht beantworten, schließlich habe ich nicht die Erfahrung, wie das so ist, ein lebendiges Wesen als Teil meiner selbst neun Monate lang mit mir herumzutragen, dann unter erheblicher Mühsal in die Welt zu entlassen und schließlich die Hauptverantwortung dafür aufgebrummt zu bekommen und vor allem: wie sich das alles anfühlt. Fragen Sie doch einen Psychologen oder eine Psychologin, besser gleich beide, oder lesen Sie was darüber, oder noch besser: Machen Sie sich mal ein paar eigene Gedanken! Ich glaub‘ fast, da geht’s ans Eingemachte, und bedenken Sie auch noch folgendes: Wir sind im katholisch geprägten Österreich, bitt’schön, da gehen die Uhren halt offenbar ein wenig anders. Da gibt es sie womöglich noch, die Schuld und Scham und Schande. Die Fragestellung allerdings ist durchaus am Platze, vielleicht wär das ja mal was: für ein Männervolksbegehren!

Und an die (mindestens) 340.000 Neidhammel und -Innen, also die bereits oben angesprochene Differenz von den 570.000 Ach-So-Besorgten: Euch glaub‘ ich ab jetzt gar nichts mehr. Ihr seids echt grindig wie nur was. GEHT’S DOCH EINFACH SCHEISSEN! Das hilft manchmal.

AG…

Und hier wie immer die obligate Url: frauenvolksbegehren.at, zugelassen isses, jetzt ist der Innenminister am Zug die Eintragungswoche festzulegen, dann können Sie dafür stimmen (außer, Sie hätten’s bereits unterstützt, dann zählt das ja schon als Stimme) also Augen offen halten und… nur Mut!

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Der Alexander könnts net gwesen sein, oder?

Allseitig vom 05.04.2018

Heut bin ich ein wenig hintnach, entschuldigens bittschön, aber Sie kennen mich ja, immer im Hintertreffen, ich meld mich zrück aus den Osterfeiertagen, die Quartalsabrechnung steht an, machen wirs halt kurz, Momenterl, ich muss einmal nachschaun, ah ja, wir nehmen die letzten paar Monat vom vergangenen Jahr gleich noch mit hinein, da war eh nix los, also, nachdem wir einmal ein paar Wochen lang ghört ham, oder warens Monat, aber was, ghupft wie ghatscht, gehört hamma, wie gut dass sich alle verstehn im blautürkischen – HOPPSTAD – im blautürkisen Bad – SAPPERLOT – Bund fürs Leben, und wie lieb dass sich alle ham, und wie gut dass alle zrechtkommen, da san dann glei nach Weihnachten ein paar Freudenschüsse kommen, pünktlich, das mag ich, leider waren da ein paar Rohrkrepierer und Blindgänger dabei – SAKRA – auf den Schützenverein is auch kein Verlass mehr; aber das kann schon amal passiern. Alarmierend? Sie haben das, wie? Sie haben das alarmierend empfunden? Was? Gfunden. Ja, ja, sicher, es war ja von 1000 Verordnungen das Sagen, mei, wie das schon originell klingt und wie sinnlich, findens nicht auch? 1000 Verordnungen, von oben, na, da müssen schon ein paar Böller abgehn, das ghört sich so, sonst merkt ja niemand auf und horcht, was da wohl noch alles kommen könnt, dann wars aber eh wieder ein Bisserl ruhiger, da da anscheinend langsam Eintracht einkehrt is, dass es da ein Fingerspitzengefühl braucht im Jagergschäft, da is es am Anfang halt einmal zum Einarbeiten und zum Üben, einmal zum Einstellen an der Büchsen, Schrauberln zum Drehn, sonst wär ja auch gleich das kapitale Großwild verschreckt, und sowas kömma ja gar nicht brauchen, das weist uns ja schließlich, wos hingeht, in echt, und zum Einstelln brauchts halt a Gfühl und das richtige Werkzeug, sonst ist das feine Gwind gleich ruiniert, wo war ich denn? Ah, ja, nach dem Begrüßungsbusserlgeben, mei, das war wirklich lieb und ganz unschuldig, bis nach Brüssel warens auf einmal alle so lieb und ham sich so gut verstanden, wenn da keine Liebe mit im Spiel is, es sind ja alle wirklich schon ganz verzaubert, ich glaub, die freun sich schon auf unsern Rat, ja, und dann? Ah ja, dann is es gleich weitergangen, da samma dann auch noch alle ganz nett und freundlich begrüßt worn, und alle ham sich einzeln vorgstellt und gfreut, dass sie da sind, so lieb und so artig, dass da auf einmal schon die halbe Zeit herum war, haha, so schnell kanns gehn, naja, so viel Zeit muss schon sein, und jetzt hörn wir ja eh schon, dass sie schon auch richtig wolln, dass sie was vorham, dass was in Planung is, dies und das und jenes, eine ganze Menge, lauter wichtige Sachen, mei, da kommt mir jetzt grad was in den Sinn, dazumals in diesen Liebesfilmen, den richtig schönen, alten, wo sich die am Anfang ansehn, und dann weiß jeder sofort: die mögen sich und dann reden die und sehn sich tief in die Augen, und dann schlagens die Augen nieder, und das ist wirklich ganz lieb zum Anschaun, und dann gehns spazieren, und dann redens weiter, und dann sehn sie sich wieder an und schmachten auch ein Bisserl und seufzen, so schön ist der Mond, und dazwischen wird auch gsessn bei einem gemütlichen Wirten, vielleicht am Wolfgangsee oder am Mondsee oder am Attersee, und dann is das schon so gut wie fix: da wird was Ernstes draus, und dann trinken die auch was, nur ein ganz kleines Schluckerl, nein, nein, halt, stop, so viel vertrag ich nicht, da werd ich dann immer ganz damisch, hihi, lacht wer, und vielleicht kommt dann noch der Peter zur Tür herein, Sie wissen schon, der eigentlich schon weg war, der Sänger. Was? Sie kennen den Peter net? Jetzt hörns aber auf, also der kommt an den Tisch und schmettert was Flottes aus voller Brust, oder er sitzt sich an den andern Tisch zu einer und schaut ganz schüchtern, ganz ernst schaut er drein, denn er hat ja Sorgen, und er will die Seinige nicht verschrecken, und dann ist ein Filmschnitt, und dann machen die eine lustige Bootsfahrt, und das Wasser is so schön blau und so schön blaugrün, und dann werden die immer ausgelassener und dann, PLUMPS, fallen die ins Wasser, haha, hihi, hahahaha, wie ungschickt von mir, sagt wer und wer anderer flucht, aber nicht im Ernst, und dann sehn sie sich wieder an, ganz verliebt und patschnass sehn sie sich in die Augen, und dann sagen sie gar nix, und Sie holen sich inzwischen eine Jausn, und wenn Sie zrückkommen sind, da sind die auf der Alm und trinken Buttermilch und lachen, weil sie so einen lustigen Milchbart ham, und dann schäkern sie wieder und reden, und so geht das weiter und immer weiter und immerfort, und Sie denken sich: WANN PUDERN DIE ENDLICH AMAL? Nein natürlich nicht, das war jetzt nur zum Spaß, das is ja nicht Ihr erster Liebesfilm, den Sie anschaun, Sie wissen das ja sicher: Gesportelt werd dann immer erst nach dem Ende vom Film, das is dann einfach in Ihrer Fantasie, wie das wohl weiter gangen wär für die zwei, ah ja, noch einmal zrück zu den ersten 100 Tagen, wie das jetz bei uns heißt. Ja, was wollns denn? Is eh noch nicht groß was passiert, oder? Aber es is nebenbei auch noch ganz was Dolles in Planung, nein kein Putzerl, wo denkens denn hin, so schnell geht das auch wieder net, zuerst einmal wird da drüber getüftelt und das nennt sich jetz evidenzbasierte Politik, ehrlich wahr, und das hat auch schon ganz einen schneidigen Namen: Think Austria, ja, sicherlich, das hab ich aus der vorgestrigen Zeitung; und gehen tut das mit, ich schreib das jetz amal auf, mit Benchmarking und Best-Practice-Analysen und mit Impact-Assessments – BUMMSTINAZL – da kummt Bench drin vor, das heißt soviel wie Bank auf Deutsch oder Beng, oder Bankerl und Impact – OHA – jetzt schlägts aber 13, des klingt jetz aber schon gar ein wenig ördinär, fast ein Bissl verrucht und Analyse, die werden doch net doch schon, was gibts denn da zum Analysiern – JESSAS – die werden doch keinen, so einen Teststreifen machen, so einen mit rot und blau, ja – KRUZITÜRKEN – das geht aber schnell bei denen, da ham wir wohl das Beste versäumt, was? Hehehe. Was? Hehehe, da hat schon wer einzipft! Hehe, hehe, ah so, das ist ja ein jugendfreier Film, bin schon wieder stad, ah, tschuldigen, ich verplauder mich scho wieder, die Quartalsabrechnung, Moment, ich hol schnell mein Block, also unterm Strich steht bei mir 0, ja, jetzt bin ich doch ein Bissl schmähstad, na, das müssen Sie entscheiden, ob Sie sich das die ganzen vier Jahr lang antun wollen, ich wär ja schon recht gspannt: Think, Austria! Das is ein wengl schwierig zum Aussprechen, bei mir klingt das immer wie sink – HEILIGEJUNGFRAUMARIAMUTTERGOTTES! OJEOJEOJE – haha, nein, ich mach doch nur einen Spaß, bis zum Sommer lassen sich die wahrscheinlich eh wieder scheiden, glaubens mir, das is halt so bei den Jungen, nix hat Bestand, machen Sie sich nix draus. Das is jetz aber traurig, meinens? Ja schon, gell? Aber werdens sehen, die finden sich sicher schnell wieder wen, da bleibt bestimmt niemand über.

AG…

(zum Vergrößern ins Bild klicken)

Bildquelle: Wikipedia, Peter Alexander, Wachsfigur in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett by Dguendel Creative Commons Attribution License CC BY 3.0 und Attersee und Höllengebirge, Oberösterreich by Austronaut Creative Commons Attribution License CC BY 3.0. Remixed by MxO

 

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)

Drei schwarze Pädagog♥inn♥en und ein Albino

Allseitig vom 01.04.2018

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Viel wird geschwätzt in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren und Jahrzehnten über Bildung. Die Worte ‚Schüler‘ oder ‚Schülerin‘ werden dabei weniger gern in den Mund genommen als zusammengesetzte B-, (mitunter schiefe) P- oder andere S-Substantive. Ich kann da ohnehin nicht mitreden, da mir die leiseste Ahnung fehlt, was sich in einem Klassenzimmer zurzeit abspielt. Das ist ja wohl nach wie vor für die meisten ein Raum hinter geschlossenen Türen (und das ist im Grunde auch okay so), oder? Wie gesagt: nicht den blassesten Dunst.

Ich selbst hatte als Schüler, ich beschränke mich da heute einmal auf die mittlere Schule, das Glück zumindest drei Lehrer*innen zu haben, die mich für eine Menge Unbill und eine Reihe ihrer – sagen wir mal – nicht so berufenen Kolleginnen und Kollegen mehr als entschädigt haben. Kein schlechter Schnitt (oder setzt bei mir schon die Altersmilde ein? Wie unsexy! ;).

Neben dem einen, der für Zeichnen und Malen, dazumals mit dem coolen uncoolen Namen ‚bildnerische Erziehung‘ bezeichnet, zuständig war (womit der seinige fast genannt wäre), fällt mir noch die andere ein, die dafür Sorge zu tragen hatte, dass das mit der Sprache klappt, um die deutsche Sprache ging’s (was jetzt auch ihre Identität beinahe preisgibt). Und schließlich noch der eine, dessen Name mir gar nicht mehr einfallen will, obwohl er mir der wichtigste war unter den dreien Magistern und Magistras (oder -trae, äh… sagen wir einfach, der Lateiner war nicht so berauschend, na, egal, damals war das ohnehin noch nicht so virulent, da hieß das einfach Frau Professor [oder häufig auch ‚Frau’Fessa‘]), der wichtigste weil fürs Historische zuständig und Charakterzüge aufweisend, die ungeheuer selten sind: Liebenswürdigkeit und Schneid. Er war, so muss ich anmerken, auch der älteste im Bunde.

Mein Zeichenlehrer nun war also ein junger Mann, ein Bisserl freaky, Motorradfahrer, trug den gachgrünen Trachtenjanker mit Stolz (nicht als fad identitäres Pseudovolkszugehörigkeits- und im Grunde lächerliches Selbststigmatisierungsumhängsel), die Haare lang und stets ein breites, glattes Lederband ums Handgelenk, das ihm ein wenig geheimnisvoll anhaftete. Mag sein, dass er ein klein wenig misogyn wirken konnte, manche Mitschülerin beklagte sich in diese Richtung. In der Tat schien er einen besseren Draht zu männlichen Eleven zu haben. Allerdings würde ich gerade da ein wenig Milde walten lassen. Mädchen im frühpubertären Alter waren (und sind wahrscheinlich noch immer) insbesondere für einen jungen Lehrer eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Und der gute Mann war auch noch für den Werkunterricht zuständig, und dieser war im letzten Jahrhundert noch eine Bastion der Jungs, obwohl gerade hier sich seine Beliebtheit bei den Mädels sogar besserte.

Wie auch immer, was ihm an mir gelang, auch wenn ich mich rückblickend als zeichnerischer (wohl kaum als handwerklicher) Klassenprimus bezeichnen muss (und das ganz ohne Arroganz, denn die beste Definition von Talent ist noch immer jene, wonach es sich bei talentierten Menschen einfach um solche handelt, die mehr Begeisterung für eine Sache aufzubringen imstande und infolgedessen auch mehr dafür zu erdulden bereit sind: Ethusiast*inn*en halt. Mehr ist da nicht dran und Untätigkeit rächt sich auch bei diesen, ich weiß, wovon ich spreche), was er also zustande brachte, war bemerkenswert. Den schönen Künsten nämlich sowohl den unseligen Heiligenschein des Göttlichen als auch das geringschätzige Abtun als Zeitvertreib auszutreiben. Ein kunsterziehender Schamane also, wenn man/frau/kind so will, und das ganz ohne Hokuspokus.

Mir ist ein unscheinbares und stilles Beispiel in Erinnerung, das mir nie schwergefallen ist wachzurufen. Dabei war etwas Einfaches zu malen, möglichst auch auf einfache Weise, eine Parkbank, ein Baum, vielleicht ein Berg im Hintergrund. Kein Caspar David Friedrich, nur ein paar Farbflächen auf kleinem Format, sodass gerade erkennbar war, worum es sich handelte. Dazu waren in unserem Alter die meisten fähig, und partout Malunwillige wurden sowieso stets geschont vom Herrn Professor. Das einzig Schwierige, worauf sich einzulassen die Schüler*innen bereit zu sein hatten, war die kleine Szenerie zweimal zu zeichnen. Einmal im Winter und einmal zu freundlicherer Jahreszeit. Der saisonale Unterschied sollte im Wesentlichen nur farblich erwirkt werden.

Dass eine rote Bank nicht gleich rot war im Sommer wie im Winter, dass jene von Zinnober zu Karmin changieren kann, zeigt sehr eindrücklich eine mögliche Funktion des Farbeinsatzes, an kristalliner Klarheit einer mathematischen Funktion in nichts nachstehend. Ist dieses Prinzip aber, das der oder die Unbedarfte zuerst gar nicht recht glauben möchte, erst einmal eigenhändige papiergewordene Realität geworden, gerät das Staunen angesichts der Bildwirkung augenblicklich zum Verstehen. Dieser immerfreundliche (das kann schwerlich abgestritten werden), nicht immer geduldige Lodenfreak (auf den ‚Professor‘ pfiff er übrigens als einziger) hat es fertiggebracht, zu vermitteln, dass es in der Erschaffung von Bildwerken auch etwas zu wissen gibt und zu begreifen, das hilfreich ist und praktikabel, das einen weiterbringt und tiefer blicken lässt, das durchaus handfest ist und dennoch zauberhafte Wirkungen hervorbringt. Dass Kunst nicht nur Kunst ist, sondern gleichzeitig auch eine zielgerichtete Tätigkeit wie jede andere. Wenn das keine Großtat ist, noch dazu in dem (zumindest damals) am meisten unterschätzten Unterrichtsgegenstand überhaupt!

Frau Professor (nicht die Frau Professor, also die Frau vom Professor, solchen Schwachsinn gab es damals auch noch) war streng. In jeder Hinsicht. Das schwärzeste nur erdenkliche schwarze Haar glatt zurückgekämmt oder in Anlehnung an die Diven der Fünfziger- und Sechzigerjahre perfekt in halbrunde Form gebracht, oft beige gestiefelt und mit enganliegendem Kostüm, gerne leopardenhaft gemustert aber trotz ihres etwas fortgeschrittenen Alters nie peinlich wirkend war es gewohnt zu fordern (wohl deshalb wurde sie von manchen mit einem der ägyptischen Herrscherin schlechthin entlehnten Spitznamen bedacht). Fachlich kompetent, unglaublich kultiviert, kosmopolitisch (ohne, dass jemand von uns das Wort kannte, haben wir doch dessen Bedeutung begriffen), schwarzhumorig, leider öfter mal ungerecht (und auch sie stand im Verdacht der Misogynie, wenn auch von anderer Seite als der Kollege) war diese Lehrerin in einem der wesentlichsten aller Fachbereiche eines mit Sicherheit: eine unumstößliche Persönlichkeit und eine regelrechte Erscheinung.

Und sie hatte eine ebenso umfassende Kenntnis der wie eine undogmatische Haltung zur Sprache. Nicht, dass sie uns grammatikalisches Wissen und Verständnis – Rechtschreibung war bei ihr beinahe schon nachrangig – nicht regelrecht eingehämmert hätte, sie konnte da gnaden- und rücksichtslos sowohl gegen Sprachfaule als auch Sprechunbegabte vorgehen, schließlich handelte es sich um ein sogenanntes neusprachliches Gymnasium. Nicht, dass selbst Vorzugsschüler und Vorzugsschülerinnen (auch solchen Schwachsinn gab es damals noch) nicht büffeln mussten um nur halbwegs zu bestehen. Nicht dass sie den Aufmüpfigkeiten und Grillen ihrer pubertierenden Geschlechtsgenossinnen nicht mitunter aufs fieseste ihrerseits mit hartnäckigem Aufsitzen und beißendstem Sarkasmus scheinbar bis an die Grenze zur Gehässigkeit begegnete. Nicht, dass sie nicht mehr als einmal den Eindruck erweckte, Töchter und Söhne aus gutem Hause aufgrund deren Bildungsvorsprungs zu bevorzugen und den Bildungsnachteil anderer unberücksichtigt zu lassen.

Aber all das war am Ende des Jahres betrachtet weitaus weniger willkürlich, eitel, ungerecht und perfid als es in der jeweiligen Situation den Anschein gehabt hatte. Es bekamen so ziemlich alle ihr Fett ab und sie konnte auch voll des Lobes sein, für alle möglichen von uns. Sie war da einfach ein vollständiger Mensch (und im Grunde ein herziger), genau wie in der Literatur. Ich denke, sie hat es verstanden genau das, etwas über den Lehrplan weit hinausgehendes, zu vermitteln. Um eine Sprache zu verstehen – und sei’s die Muttersprache, oder gerade diese – bedarf es zunächst der Bereitschaft all ihre Facetten anzuerkennen, und die können auch ziemlich finster sein.

Was ihre unkonventionelle Art mit Literatur umzugehen angeht, trifft es wohl ein Adjektiv am besten: locker. Das passt jetzt gar nicht auf das bisher Geschilderte, könnten Sie vielleicht meinen. Oh doch, sehr sogar. Sie müssen sich das konservativste Gymnasium in einer mittelgroßen Stadt vorstellen und dann steht da vor versammelter Klasse eine filmreife Femme fatale und liebt natürlich die Klassiker (vor allem Goethe, wenn ich nicht irre), aber sie ist klug, sie weiß trotz allem, dass da Elf-, Zwölf-, Dreizehn-, Vierzehnjährige sitzen, und die gilt es zu begeistern. Die schwere Kost hat noch Zeit. So kann sie, das konnte kaum jemand von uns Schüler*inne*n erwartet haben, mit dialektgepfefferter Theaterdichtung à la Nestroy und Raimund das schwierige mündliche Vortragen von Texten ein wenig entspannter angehen lassen. Gut, das mag noch nichts außergewöhnliches sein, vor allem aus heutiger Rückschau. Sie bedenkt ihre Lieblingsautoren gerne mit drolligen Spitznamen, auch das hat wohl nicht sie erfunden. Aber Frau Professor outet sich auch als große Verehrerin von Ernst Jandls Dichtung, und lässt diesen Großmeister vor allem eines: vom Band sprechen, oder besser gesagt lautstark aus dem Kassettenrekorder scheppern – für junge Sprachinteressierte geradezu ein Erweckungserlebnis, auch kommt dabei der politische Aspekt nicht zu kurz.

Hingegen fällt mir auf, dass ich mich nicht entsinnen kann jemals Schillers ‚Glocke‘ auswendig lernen gemusst zu haben. Auch wurde rückblickend betrachtet unter ihrem strengen Regiment erstaunlich viel gelacht im Klassenzimmer. Und was den politischen Aspekt betrifft, fällt mir da jetzt noch etwas Bemerkenswertes ein. Thomas Bernhard war zu jener Zeit tatsächlich noch ein heißes Eisen in Österreich, ‚Holzfällen‘ wurde beschlagnahmt (zu ‚Heldenplatz‘ war es noch ein Weilchen hin). Frau Professor kann sich diesbezüglich nicht verkneifen ein wenig stolz darauf zu sein ein Exemplar des verbot’nen Buchs zu besitzen und vermittelt dabei nebst aller politischer Brisanz auch noch etwas für Heranwachsende Unerhörtes: Literatur kann auch gefährlich sein. Anarchie. Mensch sein und eine Sprache sein eigen nennen ist ein Abenteuer. Dafür empfinde ich noch heute Dankbarkeit und muss mir eingestehen, dass ich als Mittelschulabbrecher vielleicht den Unterricht dieser einen außergewöhnlichen Persönlichkeit als Einziges bedaure nicht bis zur Maturantenreife erlebt zu haben. So manches andere Personal des Gyms betreffend kann ich das nicht immer behaupten. Und mich würde eines interessieren: was sie wohl ein paar Jahre später zum Gendern gesagt hätte. Eigentlich müsste sie’s gehasst haben. Aber wer weiß, womöglich wäre ihr ja etwas Spaßiges eingefallen zum heiligen generischen Maskulinum? Ich komme zur Historie, sonst schwärme ich noch weiter (schließlich konnte ich mich zusammen mit Freunden damals sogar begeistern außerhalb des Unterrichts und freiwillig Nietzsche zu lesen, und das als lesefaules Kind ohne nennenswerte eigene oder elterliche Büchersammlung).

Der ältere Herr war ruhig. Ich kann mich nicht genau erinnern, wie seine Stimme klang. Recht tief, aber nicht allzu sonor, würde ich sagen. Er war von stattlicher Statur, bedächtig, trug fast immer einen schlichten aber schicken Anzug. Er machte ab und zu gerne harmlose Witzchen, war auch mal goschert zu irgendwem, aber nie kränkend. Der- oder diejenige wusste stets, dass das kein persönlicher Angriff war, bloß ein wahlloser Spaß, da hatte der Herr Professor irgendwie den Dreh heraus (und blieb dennoch selbst stets ernst dabei). Irgendwie verschmitzt aber knochentrocken. Und er hatte eine ungewöhnliche Angewohnheit. Sehr selten schmiss er plötzlich ohne Vorwarnung ein paar Zuckerl in den Klassenraum. So als hielte er eine kleine Stärkung im anstrengenden Unterricht augenblicklich für nötig. Das war auch insofern bemerkenswert, da wir ja in der Unterstufe langsam darauf vorbereitet wurden Erwachsene zu werden, zum Beispiel stets mit Nachnamen angesprochen zu werden, gewisse Umgangsformen und Höflichkeit zu pflegen etc. (was von gewissen Lehrer#inne#n nicht immer zu erwarten war). Und dieser Mann also verwandelte uns – nur so ab und zu – wieder in Kinder. Und ich kann mich an keine Mitschülerinnen oder Mitschüler erinnern, die diesen grauhaarigen Herrn mit seiner leicht grantelnden Art nicht irgendwie mochten.

Der Unterricht war nicht besonders aufregend und vor allem nicht der mühseligste. In der Benotung gab es keinen der nachsichtiger war. Unser Geschichtslehrer machte sich nicht allzuviel aus Jahreszahlen oder überbordenden historischen Details. Eher war bei ihm ein gewisser Schwerpunkt auf die sogenannte Zeitgeschichte zu bemerken. Was mich jetzt zu meiner eigentlichen Story über ihn bringt. Es geht dabei um das Schwierigste, das ein Lehrer der Geschichte zu vermitteln hat. Den Holocaust. Die Schoah. Verdammt! Die massenhafte, industrielle Folter und Ermordung von über sechs Millionen Menschen, vornehmlich jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen, durch die Nationalsozialist׀inn׀en. Machen Sie das mal einem Kind klar! Und zwar rechtzeitig! Da müssen Sie schon etwas auf dem Kasten haben.

Ich weiß noch, dass wir irgendwann auch das ehemalige Konzentrationslager in Mauthausen besuchten, wobei ich nicht mehr sagen könnte, ob dieser es war, der uns begleitete oder eine andere Lehrkraft, wahrscheinlich mehrere. Eine Begebenheit hat sich mir jedoch eingebrannt. Und das lief wie folgt ab und – wie gewohnt beim Herrn Professor – unspektakulär. Es gab in einem der unteren Geschosse der Schule einen kleinen Raum, der mit einigen Sitzreihen bestuhlt war und uns als Kino diente.

Unser Geschichtsprofessor bereitete uns sehr ernst aber ruhig auf einen Film vor, der aus Aufnahmen bestand, die die Alliierten nach der Befreiung der Konzentrationslager im geschlagenen Nazideutschland gemacht hatten, möglicherweise auch aus Material, das sie aufgefunden hatten. Er war sichtlich etwas ernster als sonst und auch ein wenig fürsorglicher. Er wies uns dabei auch explizit darauf hin, dass es völlig in Ordnung sei wegzusehen oder den Raum zu verlassen, wenn es unerträglich würde, so genau weiß ich das nicht mehr, vielleicht sollte der- oder diejenige ihm ein Zeichen geben, es war ja dunkel und es könnte ja jemand stolpern.

Der Film selbst war wochenschauartig montiert, mit einem moralisierenden Kommentar versehen, allerdings nicht wirklich propagandistisch oder penetrant. Ich empfand die Tonspur eher als traurig. Die Bilder dazu sind ein unauslöschlicher Schock. Es geht dabei gar nicht sosehr um den Sinnzusammenhang dessen, was jeweils gerade im Einzelnen zu sehen ist. Mehr um Grundsätzlicheres, um das Unbegreifliche, das da irgendwo zwischen den Schwarzweissbildern flackert. Da werden Haufen und Berge zu Skeletten abgemagerter, glatzköpfiger, toter, nackter Menschen mit Baggerschaufeln in Gruben geschoben. Die purzeln durcheinander wie groteske dürre Gummipuppen. Und da sind noch mehr ausgemergelte, kahlgeschorene Menschen, bei denen es oftmals schwierig ist überhaupt das jeweilige Geschlecht zu erkennen, die sich tatsächlich noch auf eigenen Beinen halten und sich etwa auf die Kamera zu oder von dieser weg bewegen oder einfach dastehen und uns anstarren. Da sind Menschen zu sehen, lebendige Menschen, die keine Menschen mehr sein können, die müssen doch tot sein. Immer wieder Berge, Haufen, Berge von irgendwas oder aus irgendwem.

Und der Streifen ist verdammt lang. Da ist nichts von öffentlich rechtlichen Sendeanstalten vorselektiert. Ich weiß noch, dass ein, zwei Schüler oder Schülerinnen irgendwann doch den Raum verließen, das verursachte ein kleines Durcheinander. Die schämten sich sogar ein wenig dafür, weil sie sie nicht ertragen konnten, die Sinnesfolter. Doch niemand hätte daran gedacht ihnen das ernsthaft übel zu nehmen oder sie geringzuschätzen, zumindest nicht, dass ich wüsste. Jeder und jedem im Raum war irgendwie klar, dass er oder sie da später Zeuge, späte Zeugin von etwas wurde, das die Grenzen dessen bei weitem überschritten hatte, was Menschen jemals zustoßen hätte dürfen, was nicht einmal Vieh zugemutet würde. Ja, es war nicht einmal möglich sich das Geschehen sogleich als etwas vorzustellen, das überhaupt irgendjemand anderen Menschen vorsätzlich und mit Bedacht angetan hatte. Das dämmerte uns dann erst später. Wir sahen einfach, was da war. Ein nüchterner Industriefilm als Beleg absolutester Grausamkeit und Erniedrigung, ein apokalyptisches Schlachthaus in einem dystopischen Paralleluniversum aus der Vergangenheit, in dem gerade aufgeräumt wurde, der unumstößliche Endpunkts jedes auch nur im entferntesten vorstellbaren Schreckens (leider wissen wir, dass der bis jetzt nie ganz aufgehört hat). Für uns endete er quasi abrupt, nachdem das Licht wieder angeknipst wurde.

Wir haben’s dann schließlich alle ganz gut überstanden. Manche redeten viel nachher, konnten nicht umhin bestimmte Szenen mündlich zu wiederholen, hielten sich dabei die Hände vors Gesicht. Andere schwiegen lieber. Alle wurden irgendwie auf ihre eigene Weise damit fertig. Allesamt hatten wir uns tapfer gehalten. Trotz allem war es ein Film, es gab nichts, was wir unmittelbar zu befürchten hatten. Ich glaube nicht im Geringsten, dass irgendwer aus unserer Klasse dadurch ernstlich traumatisiert wurde. Eher schon kam die Unterrichtsstunde einer Schutzimpfung gleich – vor der schlimmsten hochansteckenden Krankheit, die die Menschheit kennt. Nun, Impfungen rufen halt auch kurzzeitig Reaktionen hervor, mitunter heftige aber in der Regel vorübergehende. Und wir hatten unseren Lehrer, den wir mochten und der sich sehr behutsam näherte, sich zu uns gesellte und uns bei unseren Gesprächen zuhörte (und der das eben Geschaute, soweit ich mich erinnere, auch nicht gleich groß kommentierte). Mit Sicherheit hat das Gesehene aber kein Schüler und keine Schülerin vergessen, das halte ich einfach für ausgeschlossen. Und ich bilde mir felsenfest ein, es gab, vielleicht nicht gleich, ein paar Zuckerl. Mann! Süßigkeiten, das einzige hundertprozentig sofortwirksame Mittel um ein kleines Bisschen weniger traurig zu sein. Das nenn‘ ich echt Chuzpe.

Unlängst ist mir in Fernsehinterviews mit KZ-Überlebenden wieder einmal dieser eine Satz aufgefallen. Sie kennen ihn bestimmt, er kommt immer wieder. Man könne das unfassbare Geschehen nicht vermitteln, sich nicht vorstellen, nicht beschreiben. Sinngemäß. Das leuchtet ein. Ich wär‘ der Letzte, der dem widersprechen möchte. Da fällt dann auch der eine oder andere Begriff, der unmöglich scheint mit sogenannten modernen Zeiten assoziiert zu werden. Dem alten Herrn auf dem Bildschirm fällt es sichtlich schwer über die Todesmärsche zu sprechen, es gibt Dinge, die auch er nicht ansprechen will, obwohl er mehr als ein Vernichtungslager überlebt hat und es anscheinend immer noch als nötig ansieht darüber Zeugnis abzulegen. Schließlich spricht er den Tränen nahe dann doch das unvorstellbare K-Wort aus – ein Ismus noch dazu – und verpackt das Substantiv in einen Scherz, den bittersten, den ich je gehört habe. Er hätte Glück gehabt auf einem der finalen Märsche, dass da doch noch ein Stück Fleisch dran war – an einer Hüfte.

Bilden wir mal einen einfachen Satz, ganz simpel, SVO – Subjekt-Verb-Objekt – und versuchen wir uns vorzustellen wir seien es, die da sprechen: ICH VERZEHRE MENSCHENFLEISCH. Und noch einen, der da spricht in uns, mit einem unbestimmten Artikel dazu: ICH BIN EIN TIER. Ich habe keine Ahnung, wie weit Ihre Imagination reicht. Für mich klingt das eher wie aus einem schlechten Horrorfilm, mein Vorstellungsvermögen langt da bei weitem nicht. Ich schaue diesen Menschen ins Gesicht, den letzten, die noch selbst davon berichten können, wenn auch nur am Monitor, und mir ist klar, dass ich gar nichts begreife. Aber… ich wage mich jetzt mal weit vor für meine Verhältnisse… aber dennoch ist es vielleicht möglich eine leise Ahnung davon zu bekommen. Und das schadet nicht, auch nicht minderjährigen Kindern. Das macht auch Sinn. Das schärft die Sinne. So wittert’s Menschenkind die gottverdammte kackbraune Soße schon von weitem – hundert Meter gegen den Wind. Schon kleine Spritzer davon, auch an sich selbst. Halali?

Von meinem Geschichte-Lehrer weiß ich wie gesagt den Namen nicht mehr, aber ich weiß mit Sicherheit, dass der nicht misogyn war, und auch nicht der Misandrie anhängig, das war dem Herrn Professor einfach wurscht.

AG…

Und lieben Gruß vom Osterhas oder -Pipperl, liebe Leserin, lieber Leser. Der dicke Osterstriezel gebührt übrigens dem Schulwart, dem mit dem kaffeebraunen Arbeitsmantel, der – neben seiner Zuständigkeit für die Schulmilchausgabe – in der großen Pause immer Wurstsemmeln, Getränke und irgendwelches Mehlspeis- und Zuckerlklumpert verkaufte, den Schulhof immer von Laub und heruntergefallenen Ästen befreite und überhaupt mit seinen Kollegen die Bude weiter am Laufen gehalten zu haben schien, als sich der alte Kasten wegen unzähliger Umbauten nach und nach in ein einziges labyrinthisches Chaos verwandelte. Vor dem ich am Anfang immer ein wenig Spundus hatte ob seiner etwas ruppigen Art, und den ich als Elfjähriger in der Schlange am Pausenstand wartend ab und zu verstohlen von der Seite ansah, um unbemerkt einen Blick auf seine schneeweißen Wimpern zu erhaschen, die mich faszinierten. Der war überhaupt der coolste. Das schlimme A-Substantiv war mir damals noch nicht wirklich geläufig, das hab‘ ich dann von einer nahen Verwandten gesteckt bekommen und auch, dass man das nicht sage. Wünsche allseits schöne Feiertage!

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Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Frau Márkos (vormals Monsieur O)

Künstlert und schriftstellert (zumindest laut Statistik Austria)